Dein Server schläft im Keller, du liegst auf dem Sofa, und das Problem sind die Treppen. Ein Magic Packet nimmt sie für dich.
Kurz gesagt
Wake-on-LAN (WoL) schaltet einen Computer ein oder weckt ihn, wenn seine Netzwerkkarte einen besonderen Frame empfängt, das Magic Packet, das die MAC-Adresse der Karte enthält [1]. Es klappt nur, wenn Hardware, Firmware-Einstellungen und Betriebssystem es erlauben, und das Paket muss meist im selben lokalen Netz entstehen. Unsere Einschätzung: WoL ist eine Bequemlichkeit für Rechner, die meist aus sein sollen, kein Fernzugriff für sich allein.
So funktioniert’s
- Das Magic Packet. Ein Magic Packet beginnt mit sechs Bytes FF, gefolgt von der MAC-Adresse des Ziels, sechzehnmal hintereinander, und optional einem Passwort von vier oder sechs Bytes [1]. Die Netzwerkkarte beobachtet den eingehenden Verkehr auf dieses Muster, während der Rest des Rechners aus ist oder schläft.
- Ursprung der Technik. Die Wireshark-Dokumentation beschreibt WoL als Namen der von AMD und Hewlett-Packard entwickelten Magic-Packet-Technik [1]. Das AMD-Whitepaper ist die ursprüngliche Beschreibung [2].
- Transport. Laut Wireshark-Dokumentation kann das Muster an beliebiger Stelle in der Nutzlast eines Ethernet-Frames stehen, und es gibt Umsetzungen, die es direkt über Ethernet oder über UDP senden [1]. Viele Werkzeuge nutzen UDP-Port 9 oder 7, das ist aber Konvention und nicht Teil des Formats (unsere Beobachtung, als Standard unbelegt).
- Drei Schalter müssen an sein. Erstens muss die Firmware (BIOS oder UEFI) das Aufwecken über die Netzwerkkarte erlauben. Zweitens muss die Karte im Betriebssystem scharfgestellt sein. Unter Linux zeigt
ethtool <Schnittstelle>die ZeilenSupports Wake-onundWake-on; der Buchstabegbedeutet Aufwecken per Magic Packet,dbedeutet deaktiviert [3]. Drittens braucht die Karte Standby-Strom, den ein ganz vom Netz getrennter Rechner nicht hat. - Das Scharfstellen überlebt standardmäßig keinen Neustart.
ethtool -s <Schnittstelle> wol gsetzt den Modus, doch eine Anleitung von sleeplessbeastie hält fest, dass das nicht dauerhaft ist [4]. Mit systemd-networkd macht eine.link-Datei mitWakeOnLan=magices dauerhaft [4]. - Über Netze hinweg. Ein Magic Packet wird normalerweise als Broadcast innerhalb eines Netzsegments gesendet. Unsere Einschätzung: Sende es von außen von einem Gerät, das schon drinnen ist, etwa einem kleinen Dauerläufer oder einem Router mit dieser Funktion, statt Ports auf eine Broadcast-Adresse weiterzuleiten. Hinter CGNAT gibt es gar keinen Weg nach innen (siehe Passt dazu).
- Sicherheit. Wer in deinem Segment einen Broadcast senden kann und die MAC-Adresse kennt, kann den Rechner wecken. Passwörter sind im Paketformat optional vorgesehen, die Unterstützung schwankt [1] (für einzelne Karten unbelegt).
Ein Homelab-Beispiel
Das Bytearium-Homelab betreibt Rackserver (HPE ProLiant DL360 Gen9 und DL380 Gen10) und ein QNAP-NAS, Stand 14. bis 18.10.2026. WoL-Einstellungen haben wir nicht erfasst und sagen deshalb nichts dazu. Eine allgemeine Anleitung für einen eigenen Linux-Rechner: Führe ethtool enp2s0 | grep Wake-on mit dem Namen deiner Schnittstelle aus. Steht bei Supports Wake-on ein g, bei Wake-on aber ein d, führe sudo ethtool -s enp2s0 wol g aus [3][4]. Fahre den Rechner dann herunter und sende von einem anderen Rechner im selben Netz ein Magic Packet, etwa mit einem Werkzeug wie wakeonlan <MAC>. Passiert nichts, schau zuerst auf die Firmware-Einstellung.
Prüfliste
- Finde die MAC-Adresse der verkabelten Netzwerkkarte und notiere sie.
- Suche in der Firmware nach einer Aufwecken-Option für die Netzwerkkarte und schalte sie ein.
- Führe
ethtoolaus und liesSupports Wake-onundWake-on. - Setze
wol gund mache es dauerhaft, zum Beispiel mit einer.link-Datei [4]. - Teste von einem zweiten Rechner im selben Netz, während das Ziel heruntergefahren ist.
- Prüfe, ob der Rechner der Karte Standby-Strom lässt.
- Vermeide Portweiterleitungen auf eine Broadcast-Adresse.
- Notiere, welcher Schalter versagt hat, wenn es nicht klappt.