„Der zieht doch nur 120 Watt“ klingt günstig, bis er ein ganzes Jahr läuft. So kommst du von Watt zu einer Jahreszahl, die du auch begründen kannst.
Kurz gesagt
Ein Homelab ist die kleine Sammlung aus Servern, Netzwerktechnik und Speicher, die man zu Hause zum Lernen und Ausprobieren betreibt. Was sie im Betrieb kostet, rechnest du so aus: Leistung über die tatsächliche Laufzeit in Kilowattstunden umrechnen und mit einem ausdrücklich genannten Preis pro kWh multiplizieren. Unterschiedliche Lastphasen bekommen eigene Zeilen, denn ein Momentwert steht selten für den ganzen Tag.
So funktioniert’s
- Formel bei gleichbleibender Leistung: Energie in kWh = Leistung in W × Stunden ÷ 1.000. Kosten = Energie × Preis pro kWh.
- Wechselnde Last: Ein Server ist den Großteil des Tages im Leerlauf und arbeitet ein paar Stunden richtig. Rechne jede Phase einzeln (Leistung × Dauer) und addiere. Eine zeitgewichtete Messreihe ist besser als jeder einzelne Momentwert.
- Laufzeit sichtbar machen: Rund um die Uhr sind 8.760 Stunden in einem normalen Jahr (8.784 im Schaltjahr). Geplante Abschaltungen oder nächtliche Backup-Fenster sind eigene Phasen.
- Welcher Preis: Stromtarife haben meist zwei Teile. Der Arbeitspreis wird pro kWh berechnet. Der Grundpreis ist ein fester Betrag pro Monat oder Jahr und hängt nicht vom Verbrauch ab. Die Mehrkosten deines Homelabs entstehen über den Arbeitspreis; den Grundpreis zahlst du sowieso.
- Messung und Hochrechnung trennen: Was das Messgerät anzeigt, ist ein Messwert. Eine Jahreszahl daraus ist eine Schätzung und sollte auch so heißen.
In der Praxis
Angenommene Werte für einen kleinen Heimserver: 16 Stunden am Tag 60 W im Leerlauf, 8 Stunden 120 W unter Last, Rechenpreis 0,40 €/kWh:
Leerlauf: 60 W × 16 h = 960 Wh
Last: 120 W × 8 h = 960 Wh
Tag: 1.920 Wh = 1,92 kWh
Jahr: 1,92 kWh × 365 = 700,8 kWh → 700,8 × 0,40 € = 280,32 €
Abkürzung „immer 120 W“:
120 W × 8.760 h = 1.051,2 kWh → 420,48 €Die Abkürzung schätzt 140,16 € pro Jahr zu viel. Die 60 W und 120 W sind ausgedachte Rundwerte, keine Messungen; der Preis ist der gerundete Haushaltsdurchschnitt der Bundesnetzagentur aus dem Artikel zu Watt und kWh.
Die Verbraucher, die alle vergessen
Der Server ist selten die ganze Geschichte. Trag für jeden dieser Posten eine eigene Zeile ein, bevor du die Zahl für vollständig erklärst:
- Netzwerktechnik: Ein Managed Switch, ein Access Point und ein Router laufen rund um die Uhr mit je ein paar Watt. 15 W dauerhaft sind 131 kWh im Jahr, rund 52 € zum Rechenpreis, für Geräte, an die niemand denkt.
- Die USV selbst: Eine USV wandelt um und hält ihren Akku geladen, und verliert dabei Energie, auch wenn nie etwas ausfällt. Miss vor der USV, wenn du sehen willst, was du wirklich bezahlst.
- Drehende Platten: Jede 3,5-Zoll-Festplatte braucht im Betrieb grob 5 bis 8 W (Herstellerdatenblätter weichen ab; nimm den Wert aus deinem Datenblatt). Vier Platten in einem NAS ziehen im Leerlauf mehr als die CPU des NAS.
- Monitore, KVM, Laborbeleuchtung: nur, wenn sie am selben gemessenen Stromkreis hängen, dann aber ganz.
Wann rechnet sich neue Hardware?
Stromkosten machen einen alten Server teuer, selbst wenn er geschenkt war. Die Rechnung ist einfach: Ersparnis pro Jahr = (alte W − neue W) × Stunden ÷ 1.000 × Preis. Eine alte Kiste mit 110 W im Leerlauf, ersetzt durch einen Mini-PC mit 15 W, spart 95 W × 8.760 h ÷ 1.000 = 832 kWh, also rund 333 € im Jahr bei 0,40 €/kWh. Ein Ersatz für 600 € hat sich in unter zwei Jahren bezahlt, wenn die neue Maschine wirklich dieselbe Arbeit macht. Miss die alte, bevor du entscheidest: Das Datenblatt der neuen ist ein Versprechen, das Steckdosenmessgerät ist eine Tatsache.
Die Rechnung je Dienst aufteilen
Teilen sich mehrere Dinge einen Server, kannst du trotzdem sagen, was jedes kostet: Miss den Leerlauf, dann den Aufschlag, während nur dieser Dienst läuft, und rechne den Leerlaufanteil danach zu, wie sehr du die Maschine ohne diesen Dienst überhaupt laufen lassen würdest. Ein Medienserver, der zwei Stunden am Tag 20 W zusätzlich braucht, kostet 14,6 kWh im Jahr über den Leerlauf hinaus, unter 6 €. Das Geld geht in den Leerlauf, nicht in den Dienst. Deshalb spart es meist mehr, drei leerlaufende Kisten auf eine zusammenzulegen, als irgendeine einzelne Last zu optimieren.
Schwankende Preise: dynamische Tarife
Seit dem 1. Januar 2025 muss jeder Stromlieferant in Deutschland einen dynamischen Tarif anbieten, bei dem sich der Arbeitspreis am Börsenpreis orientiert und sich mehrmals täglich ändern kann. Voraussetzung ist ein intelligentes Messsystem (ein „Smart Meter“, nicht nur ein digitaler Zähler), und die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass sich das vor allem für Haushalte lohnt, die große Lasten verschieben können, etwa mit E-Auto oder Wärmepumpe. Ein Homelab, das rund um die Uhr auf Volllast läuft, gewinnt dadurch nichts. Eines, das Backups, Scrubs und Stapeljobs in günstige Stunden legen kann, vielleicht schon. Wenn du es probierst, protokolliere den Preis je Viertelstunde neben deinen Leistungswerten; sonst kannst du hinterher nicht sagen, was der Wechsel tatsächlich gebracht hat.
Prüfliste
- Vermerke bei jedem Leistungswert, ob er gemessen oder angenommen ist.
- Schreib für jede Lastphase Stunden pro Tag und Tage pro Jahr auf.
- Nenne den Preis pro kWh mit Währung und dem Datum, ab dem er gilt.
- Gib an, ob der Grundpreis einbezogen oder weggelassen ist.
- Kennzeichne das Ergebnis als Schätzung, nicht als Messwert.
- Trag Netzwerktechnik, USV-Verluste und drehende Platten als eigene Zeilen ein, bevor du Setups vergleichst.