Auf dem Netzteil stehen 750 W, auf der CPU-Packung 65 W, und die Stromrechnung zählt kWh. Bezahlen musst du am Ende nur eine dieser drei Zahlen.
Kurz gesagt
Watt sagen, wie schnell ein Gerät gerade Energie verbraucht. Kilowattstunden sagen, wie viel Energie über eine Zeit zusammengekommen ist, und genau die bezahlst du. TDP und die Wattzahl auf dem Netzteil sind Auslegungswerte, keine Messung dessen, was dein Rechner wirklich aus der Steckdose zieht.
So funktioniert’s
- Leistung und Energie: Ein Watt (W) ist ein Joule pro Sekunde, also eine Rate. Energie ist Leistung mal Zeit. 100 W über zehn Stunden ergeben 1.000 Wattstunden, also 1 kWh.
- Kosten: Die Rechnung multipliziert kWh mit einem Preis pro kWh. Aus Watt allein entstehen keine Kosten, solange die Laufzeit fehlt.
- TDP: Die Thermal Design Power ist eine Zielgröße, nach der Kühlung und Stromversorgung eines Prozessors ausgelegt werden. Intel definiert sie als Leistung bei maximaler theoretischer Last und nennt sie seit der 12. Generation Processor Base Power. Bei geringerer Last braucht der Prozessor weniger, mit Turbo oder bestimmten schweren Lasten kurzzeitig auch mehr.
- Netzteil-Nennleistung: Die Wattzahl auf einem Netzteil ist die maximale Gleichstrom-Ausgangsleistung, die der Hersteller angibt. Sie ist eine Obergrenze, keine Verbrauchsangabe. Ein 750-W-Netzteil liefert bei wenig Last weit weniger als 750 W.
- Wirkungsgrad: Das Netzteil macht aus dem Wechselstrom der Steckdose Gleichstrom für die Bauteile und verliert dabei Energie. Der Wirkungsgrad ist Ausgangsleistung geteilt durch Eingangsleistung. Deshalb zeigt die Steckdose immer mehr an, als bei den Bauteilen ankommt.
In der Praxis
Ein Gerät, das an der Steckdose gleichmäßig 50 W zieht:
50 W × 24 h = 1.200 Wh = 1,2 kWh pro Tag
1,2 kWh × 0,40 € = 0,48 € pro Tag
50 W × 8.760 h = 438 kWh pro Jahr → 175,20 € pro Jahr0,40 €/kWh ist ein gerundeter Rechenpreis nach dem Durchschnitt, den die Bundesnetzagentur für Haushaltskunden angibt (40,05 ct/kWh zum 1. April 2025). Setz stattdessen den Arbeitspreis von deiner Rechnung ein. Beim Wirkungsgrad gilt dasselbe Prinzip: Brauchen die Bauteile 200 W Gleichstrom und arbeitet das Netzteil mit 90 % Wirkungsgrad, zieht es rund 222 W aus der Steckdose (200 ÷ 0,9).
Voltampere sind keine Watt
Manche Messgeräte und jede USV zeigen VA (Voltampere) neben oder statt W. VA ist die Scheinleistung: Spannung mal Strom, ohne zu fragen, ob die beiden im Takt sind. W ist die Wirkleistung, der Teil, der tatsächlich Arbeit verrichtet und den dein Zähler abrechnet. Das Verhältnis der beiden ist der Leistungsfaktor (PF), eine Zahl zwischen 0 und 1. Ein Netzteil mit Leistungsfaktor 0,95, das 200 W Wirkleistung zieht, nimmt rund 211 VA aus der Steckdose (200 ÷ 0,95). Das zählt an zwei Stellen: Eine USV wird in VA und W dimensioniert, und du musst unter beiden bleiben; und günstige Steckdosenmesser zeigen manchmal VA an und nennen es Watt. Wirkt ein Wert im Vergleich zu einem anderen Messgerät zu hoch, prüfe zuerst, welche der beiden Größen angezeigt wird.
Was 80 PLUS wirklich garantiert
Das 80-PLUS-Siegel auf einem Netzteil ist eine Zertifizierung des Wirkungsgrads an wenigen festen Lastpunkten, gemessen bei 20 %, 50 % und 100 % der Nennleistung (Titanium zusätzlich bei 10 %). In der Klasse „230 V EU intern“ heißt Gold: mindestens 90 % bei 20 %, 92 % bei 50 % und 89 % bei 100 % Last, dazu ein Leistungsfaktor von mindestens 0,90 bei halber Last; Titanium verlangt schon bei 10 % Last 90 %, bei 20 % 93 %, bei 50 % 95 % und bei Volllast 91 %. Daraus folgen zwei Dinge fürs Homelab. Erstens: Der Wirkungsgrad ist um die halbe Last am höchsten und fällt an beiden Enden ab. Ein 750-W-Gold-Netzteil, das einen Server mit 60 W im Leerlauf versorgt, läuft bei 8 % Last, unterhalb jedes Punkts, den die Zertifizierung abdeckt. Zweitens: Das Siegel sagt nichts über Standby-Verbrauch, Lüftergeräusch oder das Verhalten bei 30 W. Für eine Maschine, die immer läuft, ist ein kleineres Netzteil näher an 30 bis 50 % Last meist günstiger und effizienter als ein überdimensioniertes.
Was ein überdimensioniertes Netzteil im Leerlauf kostet, in Zahlen
Angenommen, ein Server braucht im Leerlauf 50 W Gleichstrom. Ein Netzteil, das an diesem Punkt mit 80 % Wirkungsgrad arbeitet, zieht 62,5 W aus der Steckdose; eines mit 90 % zieht 55,6 W. Die Differenz von 6,9 W sind 60 kWh im Jahr, rund 24 € zum Rechenpreis. Für eine Maschine nicht dramatisch, aber es ist jedes Jahr dasselbe Geld, und der Abstand wächst mit jeder weiteren Kiste, die immer läuft. Das ist das ganze Argument dafür, das Netzteil an der echten Last auszurichten statt an der größten Zahl auf der Teileliste.
Netzteil dimensionieren, ohne zu raten
- Addiere die gemessene oder im Datenblatt angegebene Gleichstromaufnahme von CPU, GPU, Laufwerken und Lüftern unter der schwersten Last, die du wirklich fährst, nicht die Summe der TDPs.
- Rechne 20 % Reserve für Turbo-Spitzen und Alterung dazu.
- Nimm die kleinste Nennleistung oberhalb dieser Zahl und prüfe, dass die 12-V-Schiene (daran hängen CPU und GPU) den Großteil davon liefern darf.
- Dann miss an der Steckdose. Liegt der Leerlauf unter 20 % der Nennleistung, hast du Reserve gekauft, die du jede Stunde mitbezahlst.
Prüfliste
- Notiere jeden Leistungswert mit Einheit und Herkunft: Steckdose, interner Sensor oder Datenblatt.
- Halte fest, wie lange und unter welcher Last ein Wert gilt, bevor du ihn in kWh umrechnest.
- Führe TDP, Sensorwerte und Steckdosenmessung in getrennten Spalten, statt sie zu vermischen.
- Rechne Kosten nur mit einem genannten Preis pro kWh und schreib dazu, woher er stammt.
- Prüfe, ob ein Messgerät W oder VA anzeigt, bevor du es mit einem anderen vergleichst.