Normales DNS fragt: „Wie lautet deine Adresse?“ Reverse DNS fragt die Adresse: „Und wer bist du eigentlich?“
Kurz gesagt
Reverse DNS wandelt eine IP-Adresse zurück in einen Namen. Dafür dienen PTR-Einträge (Pointer-Einträge) unter besonderen Domains: in-addr.arpa für IPv4 und ip6.arpa für IPv6 [1][2]. Wer darf so einen Eintrag setzen? Wer den Adressblock verwaltet, bei einem Heimanschluss meist dein Provider und nicht du. Unsere Einschätzung: Reverse DNS interessiert dich vor allem, wenn ein Server Mail verschickt oder du lesbare Namen in Protokollen willst.
So funktioniert’s
- Die umgedrehte Adresse. Bei IPv4 werden die Zahlengruppen in umgekehrter Reihenfolge geschrieben und um in-addr.arpa ergänzt. RFC 1035 nennt als Beispiel die Adresse 10.2.0.52 und den Namen 52.0.2.10.IN-ADDR.ARPA [1]. Der PTR-Eintrag unter diesem Namen enthält den Rechnernamen.
- IPv6 nutzt Halbbytes. Für IPv6 legt RFC 3596 die Domain ip6.arpa fest; die Adresse steht dort als umgekehrte Hexadezimalziffern, durch Punkte getrennt [2]. Die Namen werden lang, deshalb nehmen dir Werkzeuge die Arbeit ab.
- Wer es steuert. Die Einträge liegen in einer Zone, die dem gehört, der den Adressblock bekommen hat, also setzt ein Provider sie für seine Kunden. Für Blöcke kleiner als /24 beschreibt RFC 2317, wie die übergeordnete Zone die Rückwärtsauflösung delegiert [3]. Unsere Einschätzung: Schau zu Hause im Kundenportal deines Providers nach oder frage den Support, ob er eine PTR-Einstellung für deine Adresse anbietet.
- Hin und zurück müssen zusammenpassen. Die Absenderanforderungen von Google, zitiert in einem britischen Regierungsblog, verlangen, dass jede sendende IP-Adresse in einem PTR-Eintrag auf einen Rechnernamen zeigt und dieser Name vorwärts wieder auf die sendende Adresse auflöst [4]. Derselbe Beitrag hält fest, dass ein fehlender PTR-Eintrag nicht immer zur Ablehnung führt, aber die Spam-Bewertung erhöht [4]. Die Anforderungen anderer Mailanbieter sind hier unbelegt.
- Kein Identitätsnachweis. Ein PTR-Eintrag zeigt nur, dass jemand, der den Adressblock steuert, einen Namen veröffentlicht hat. Unsere Einschätzung: Nutze ihn als ein Signal unter mehreren, nicht als Anmeldung.
- Protokolle und Werkzeuge. Viele Werkzeuge lösen Adressen in Namen auf, um Protokolle lesbar zu machen. Eine fehlschlagende oder langsame Rückwärtsabfrage kann solche Werkzeuge warten lassen, ein fehlender PTR-Eintrag zeigt sich dann als Verzögerung statt als Fehler.
Ein Homelab-Beispiel
Das Bytearium-Homelab betreibt Rackserver (HPE ProLiant DL360 Gen9 und DL380 Gen10) und ein QNAP-NAS, Stand 14. bis 18.10.2026. PTR-Einträge zu unseren Adressen haben wir nicht erfasst und sagen deshalb nichts dazu. Ein allgemeines Beispiel für deinen eigenen Anschluss: Lies deine öffentliche IPv4-Adresse im Router ab und frage mit dig -x <deine-adresse> +short nach ihrem Namen [5]. Eine leere Antwort heißt: Es ist kein PTR-Eintrag veröffentlicht. Ein allgemeiner Providername, oft aus der Adresse gebildet, bedeutet, dass der Provider eine Vorgabe gesetzt hat. Entscheidend ist, ob die Antwort zu einem Namen passt, den du kontrollierst. Willst du von zu Hause Mail senden, lies vorher die Postmaster-Seiten der empfangenden Anbieter und rechne damit, dass ein Heimadressbereich misstrauisch behandelt wird (unsere Einschätzung, für einzelne Anbieter unbelegt).
Prüfliste
- Lies deine öffentliche Adresse ab und notiere das Datum.
- Führe
dig -x <Adresse> +shortaus und notiere die Antwort. - Prüfe, ob der zurückgegebene Name wieder auf dieselbe Adresse auflöst.
- Frage deinen Provider, ob du den PTR-Eintrag selbst setzen kannst.
- Prüfe die Absenderanforderungen der Mailanbieter, die du erreichen willst.
- Vermeide die Annahme, ein PTR-Eintrag beweise, wer einen Server betreibt.
- Wiederhole die Prüfung, wenn der Provider deine Adresse ändert.