Dein Router meldet „online“. Dein Provider teilt diese eine Haustür womöglich still mit der halben Straße.
Kurz gesagt
CGNAT (Carrier-Grade NAT) heißt: Dein Internetanbieter übersetzt Adressen auf seiner Seite, sodass sich viele Kunden eine öffentliche IPv4-Adresse teilen [2]. Ausgehende Verbindungen funktionieren wie gewohnt. Verbindungen aus dem Internet zu deinem Heimserver kommen nicht an, weil keine öffentliche Adresse dir allein gehört. Unsere Einschätzung: Wer zu Hause per IPv4 etwas anbieten will, schließt zuerst CGNAT aus.
So funktioniert’s
- Doppelte Übersetzung. Dein Router übersetzt bereits deine privaten Adressen (RFC 1918: 10.0.0.0/8, 172.16.0.0/12 und 192.168.0.0/16 [3]) auf eine Außenadresse. Bei CGN übersetzt der Provider ein zweites Mal, dein Verkehr läuft also durch zwei NAT-Geräte [2][5]. Eine Weiterleitung im eigenen Router öffnet nur die erste Tür.
- Adressen, die es verraten. RFC 6598 hat den Block 100.64.0.0/10 als „Shared Address Space“ für Provider mit CGN reserviert [1]. AVM nennt auf einer Hilfeseite Adressbereiche, an denen man erkennt, dass eine FRITZ!Box keine öffentliche IPv4-Adresse hat, darunter 100.64.0.0 bis 100.127.255.255 [7].
- DS-Lite ist ein enger Verwandter. Bei DS-Lite bekommt dein Anschluss IPv6, und IPv4 läuft durch einen Tunnel zu einem Gerät des Providers (dem AFTR), das die Übersetzung erledigt [4]. Für dich ist die Wirkung ähnlich: Die IPv4-Adresse wird geteilt. AVM erklärt DS-Lite und was es für Dienste bedeutet, die du von außen erreichen willst [8].
- Was nicht mehr geht. Alles, was auf eine eingehende Verbindung wartet: Gameserver, Webserver, Remotedesktop, ein VPN nach Hause. RFC 7021 untersucht, wie CGN Anwendungen beeinflusst [5]. Unsere Einschätzung: Was nur nach außen verbindet, etwa Surfen oder Streaming, läuft meist weiter.
- Regeln für den Provider. RFC 6888 nennt Anforderungen an CGNs, zum Beispiel zum Umgang mit Ports [2]. Einen Weg nach innen verspricht es dir nicht.
- Auswege, nur benannt. Du kannst beim Provider nach einer öffentlichen IPv4-Adresse fragen, IPv6 nutzen, wo beide Seiten es können, oder deinen Server nach außen zu einem Relay verbinden lassen. Das Protokoll PCP (RFC 6887) lässt einen Host eine Zuordnung beim CGN anfragen, aber nur, wenn der Provider es unterstützt [6]. Ob deiner das tut, ist unbelegt. Die Lösungswege gehören in unseren Guide zu Heimservern hinter CGNAT (siehe Passt dazu).
Ein Homelab-Beispiel
Das Bytearium-Homelab betreibt Rackserver (HPE ProLiant DL360 Gen9 und DL380 Gen10) und ein QNAP-NAS, Stand 14. bis 18.10.2026. Ob unser Anschluss CGNAT nutzt, haben wir nicht erfasst und sagen deshalb nichts dazu. Was folgt, ist ein allgemeiner Test für deinen eigenen Anschluss. Öffne die Statusseite deines Routers und lies die IPv4-Adresse auf der Internetseite ab. Frag dann einen externen Dienst „Wie lautet meine IP“ nach deiner Adresse. Weichen beide ab, oder liegt die Adresse im Router in 100.64.0.0/10, steckst du sehr wahrscheinlich hinter CGN [1][7]. Unsere Einschätzung: Notiere beide Werte mit Datum, denn Provider können den Aufbau ändern.
Prüfliste
- Lies die IPv4-Adresse auf der Internetseite deines Routers ab und notiere das Datum.
- Vergleiche sie mit der Adresse, die ein externer Dienst meldet.
- Prüfe, ob sie in 100.64.0.0 bis 100.127.255.255 oder in einem privaten Bereich liegt [1][3].
- Suche in der Verbindungsübersicht deines Routers nach „DS-Lite“ oder „gemeinsam genutzte Adresse“.
- Frage deinen Provider, ob eine öffentliche IPv4-Adresse verfügbar ist und was sie kostet.
- Teste, ob dein Router auch eine IPv6-Adresse hat.
- Vermeide einen Heimserver über IPv4, bis die ersten drei Prüfungen geklärt sind.