Dein neuer Monitor verspricht 4K mit 240 Hz, und laut Kabelspezifikation passt das gar nicht durch. Beide haben recht, denn das Bild reist leicht komprimiert.
Kurz gesagt
Display Stream Compression (DSC) ist ein VESA-Standard, der das Videosignal zwischen Grafikkarte und Monitor komprimiert, damit höhere Auflösungen und Bildwiederholraten durch eine vorhandene Verbindung passen [1][4]. VESA nennt die Kompression „visuell verlustfrei“: Eine typische Betrachterin würde unter typischen Bedingungen in den meisten Fällen keinen Unterschied zum unkomprimierten Bild bemerken [2]. DSC 1.2b ist Teil der Standards DisplayPort und HDMI [1]. Unsere Einschätzung: DSC ist kein Makel, den man meiden muss, sondern der normale Weg, auf dem schnelle Monitore ihre höchsten Modi über DisplayPort 1.4 erreichen.
So funktioniert’s
- Ein leichter, schneller Codec. VESA hat DSC 2014 eingeführt [1]. Übliche Kompressionsraten liegen zwischen 1:1 und etwa 3:1, der Decoder ist klein (typisch unter 100.000 Gatter) und fügt höchstens eine Rasterzeile Verzögerung hinzu, bei 4K mit 60 Hz unter 8 Mikrosekunden [2].
- Feste Bits pro Pixel. In der Vergleichstabelle von VESA komprimiert DSC 1.2a 30-Bit-Farbe im Verhältnis 3,75:1 und 24-Bit-Farbe 3:1, in beiden Fällen auf 8 Bit pro Pixel [1].
- Der Engpass, den es löst. DisplayPort 1.4a überträgt bis zu 8,1 Gbit/s pro Lane, 32,4 Gbit/s über vier Lanes, nach Abzug des Overheads bleiben 25,92 Gbit/s [3]. Für DisplayPort 2.1b zertifiziert VESA Geräte unter anderem nur dann, wenn sie DSC unterstützen [2].
- Grafikkarten unterscheiden sich. NVIDIA unterstützt DSC über DisplayPort 1.4 und neuer ab der Turing-Generation (GeForce RTX 20 und GTX 16) und über HDMI 2.1 ab der Ampere-Generation (GeForce RTX 30) [4]. Mit älteren Karten lassen sich höchste Auflösung oder Bildrate eines Monitors womöglich nicht auswählen [4]. Für Karten der GeForce RTX 40 nennt NVIDIA „4K at 240Hz or 8K at 60Hz with DSC“ als Maximum [5].
- Nebenwirkungen. NVIDIA schaltet DSC automatisch ein, wenn ein Bildschirm es unterstützt. Im DSC-Modus kann die GPU zwei interne Display-Heads für einen Monitor belegen; mit zwei solchen Monitoren an einer GeForce-Karte sind alle vier Heads belegt, und ein dritter Monitor lässt sich nicht anschließen [4].
- HDMI zieht nach. Die Spezifikation HDMI 2.2 bietet bis zu 96 Gbit/s und unterstützt 4K mit 240 Hz unkomprimiert mit voller Farbauflösung bei 10 und 12 Bit [6]. Ultra-High-Speed-HDMI-Kabel aus HDMI 2.1 sind für bis zu 48 Gbit/s ausgelegt [6].
Ein Praxisbeispiel
Unsere eigene Rechnung für einen 4K-Monitor mit 240 Hz und 10 Bit pro Farbe, nur sichtbare Pixel gezählt: 3.840 × 2.160 × 240 ergibt rund 1,99 Milliarden Pixel pro Sekunde. Bei 30 Bit pro Pixel sind das rund 59,7 Gbit/s, mehr als das Doppelte der 25,92 Gbit/s, die DisplayPort 1.4 überträgt [3]. Mit den 8 Bit pro Pixel aus der DSC-Tabelle von VESA sind es rund 15,9 Gbit/s [1]. Echte Signale enthalten zusätzlich Austastlücken, die tatsächlichen Werte liegen also etwas höher. Bietet ein solcher Monitor an einer älteren GPU nur 120 Hz an, ist fehlende DSC-Unterstützung eine naheliegende Ursache [4]. Das ist eine Rechnung und keine Messung auf unserer eigenen Hardware.
Prüfliste
- Prüfe die DSC-Unterstützung deiner GPU-Generation über DisplayPort oder HDMI, bevor du einen schnellen 4K-Monitor kaufst [4].
- Lies den Hinweis zur maximalen Auflösung auf der Datenseite deiner Grafikkarte [5].
- Plane weniger Monitore pro Karte ein, wenn mehrere davon im DSC-Modus laufen [4].
- Such im Monitormenü nach der Einstellung für die DisplayPort-Version, wenn DSC Probleme macht; manche Bildschirme schalten es bei DP 1.2 ab [4].
- Gleiche die unkomprimierten Modi von HDMI 2.2 mit dem ab, was deine Geräte tatsächlich unterstützen, bevor du damit planst [6].