Selbst gehostetes Nextcloud kostet nichts, so wie ein Welpe nichts kostet. Die Software ist gratis. Die Gassirunden, die Tierarztrechnungen und die monatlichen Updates sind deine.
Kurz gesagt
Solltest du Nextcloud selbst hosten oder Cloud-Speicher mieten? Hoste selbst, wenn du die Apps von Nextcloud und volle Kontrolle willst und bereit bist, Updates, Backups und Restore-Tests selbst zu machen. Miete, wenn du vor allem Dateien synchronisieren willst und jemand anderes Bereitschaft haben soll. Nach den Preisen, die wir am 25. Okt. 2026 belegen konnten, kostet ein verwaltetes Nextcloud mit etwa 1 TB über fünf Jahre rund 306 € inklusive Mehrwertsteuer [12][19]. Ein Heimserver mit Offsite-Backup landet bei 391 bis 634 €, bevor du Hardware kaufst (eigene Rechnung, mit angenommenem Stromverbrauch und dem BDEW-Durchschnittspreis [24]). Geld entscheidet das selten. Zeit, Backup-Disziplin und die Frage, wem du vertraust, tun es.
So funktioniert’s
- Drei Wege, eine Frage: Wer hat Bereitschaft? Zu Hause läuft Nextcloud auf deiner eigenen Hardware, und du machst alles. Auf einem VPS (Virtual Private Server, einer gemieteten virtuellen Maschine) ist die Hardware gemietet, die Administration bleibt aber bei dir. Bei gemietetem Speicher betreibt ihn jemand anderes. Das ist entweder verwaltetes Nextcloud, etwa Hetzner Storage Share [12], oder ein proprietärer Dienst wie pCloud [17]. Die Software ist bei den ersten beiden Wegen dieselbe. Es ändert sich, wer patcht, wer sichert und wer deine Dateien lesen könnte.
- Was „Installieren“ heute heißt. Die Nextcloud GmbH pflegt ein All-in-One-Docker-Image namens AIO [1]. Ein Mastercontainer startet und aktualisiert den Rest: Nextcloud, PostgreSQL, Redis, einen Apache-Proxy mit automatischen TLS-Zertifikaten und optionale Teile wie Office oder Talk [2]. Du brauchst Docker, einen Domainnamen und für den Zugriff von außen Port 443. Andere Ports als 443 werden nicht unterstützt. Sind die Ports 80 und 443 gesperrt, nennt die AIO-Dokumentation eine eingebaute deSEC-Domain oder Tailscale als Ausweg [2]. AIO läuft auch lokal ohne öffentlichen Zugang [2]. Das Nextcloud-Handbuch verlangt mindestens 128 MB RAM pro PHP-Prozess und empfiehlt 512 MB [6]. Der gesamte AIO-Stack braucht mehr. Eine Drittquelle zitiert die Mindestwerte aus der AIO-Oberfläche: 2 GB RAM, eine Dual-Core-CPU und 40 GB Systemspeicher bei jedem optionalen Container, 3 GB mit ClamAV, Talk Recording oder Volltextsuche und 5 GB mit Quad-Core-CPU für alles, dazu 1 GB extra als Empfehlung [23]. Prüfe die Werte in deiner eigenen AIO-Oberfläche.
- Updates sind das eigentliche Abo. Nextcloud bringt etwa alle vier Monate eine neue Hauptversion heraus und unterstützt jede ein Jahr lang mit monatlichen Wartungsversionen [8]. Am 25. Okt. 2026 werden die Versionen 33, 34 und 35 unterstützt. Version 35 erschien am 16. Sept. 2026, und Version 32 hat im September 2026 das Support-Ende erreicht [8]. Hauptversionen darfst du nicht überspringen. Aktualisiere zuerst auf die neueste Punktversion deiner Version, dann auf die nächste Hauptversion. Ein Downgrade wird nicht unterstützt. Das Handbuch verlangt vor jedem Upgrade ein frisches Backup und ausgeschaltete Drittanbieter-Apps währenddessen [7]. Bei AIO meldet die Oberfläche Admins täglich, dass Updates da sind. Du stoppst die Container, aktualisierst bei Bedarf den Mastercontainer und startest und aktualisierst dann den Rest [2]. Lässt du eine AIO-Instanz sechs Monate oder länger liegen, startet Nextcloud womöglich nicht mehr, weil die PHP-Versionen im Container nicht mehr passen [5]. Verwaltetes Hosting nimmt dir das ab: Hetzner gibt an, Storage-Share-Instanzen rund um die Uhr zu überwachen und die neuesten Updates einzuspielen [12].
- Backup ist ein Projekt, kein Häkchen. Das Nextcloud-Handbuch nennt fünf Dinge, die du aufbewahren musst: den config-Ordner, den Ordner mit eigenen Apps, den data-Ordner, den theme-Ordner und die Datenbank [9]. Das eingebaute AIO-Backup nutzt BorgBackup. Es deckt Datenbank, deine Dateien und die Konfiguration ab und lässt Ordner aus, die über die App für externen Speicher eingebunden sind [2]. Ein Backup hält alle Container an, solange es läuft [4]. Eine ganze Instanz auf einem neuen AIO wiederherzustellen braucht das Archiv und sein Passwort [2]. Ein Backup auf derselben Platte verfehlt die 3-2-1-Regel. AIO akzeptiert ein anderes Laufwerk oder ein entferntes Borg-Repository [2]. Hetzners Storage Box nennt BorgBackup unter den Zugriffsarten, und die Box mit 1 TB kostet 3,20 € netto im Monat [13]. Verwaltetes Nextcloud hat Backups eingebaut: Hetzner erstellt sie mehrmals täglich, auf einer anderen Hostmaschine als der, auf der deine Instanz läuft [12]. Ob du zusätzlich eine Kopie außerhalb des Anbieters willst, ist deine Risikoentscheidung.
- Wer deine Dateien lesen kann. Auf deinem eigenen Server bist das du und jeder, der Admin-Zugriff darauf hat. Die serverseitige Verschlüsselung von Nextcloud legt ihre Schlüssel auf dem Server ab. Im Standardmodus mit Master-Schlüssel können Admins Dateien entschlüsseln, und das Handbuch sagt, dass sie weder vor einem kompromittierten Server noch vor einem böswilligen Admin schützt. Dafür ist die clientseitige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gedacht. Für lokale Platten verweist das Handbuch auf Festplattenverschlüsselung wie LUKS [10]. Beim verwalteten Hosting betreiben die Admins des Anbieters den Server, dieselbe Logik gilt also auch für sie. Das ist unsere Lesart des Handbuchs, keine Aussage über Hetzners Praxis. pCloud verschlüsselt standardmäßig auf seinen Servern. Der clientseitige Crypto-Ordner wird separat verkauft [18][20]. Eine Studie der ETH Zürich von 2024 hat die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von fünf Anbietern untersucht, darunter pCloud, und bei vieren schwere Schwachstellen gefunden. Gegen pCloud beschreibt sie Angriffe wie das Einschleusen von Dateien und das Vertauschen von Datei-Chunks [11]. Dieselbe Studie merkt an, dass frühere Analysen von MEGA und Nextcloud bereits kritische Schwachstellen gezeigt hatten [11]. Ob pCloud seither etwas behoben hat, ist unbelegt. Kein Weg hier ist also Zauberei. Nimm den, dessen Versagen du verkraften kannst.
Was es über fünf Jahre kostet
Das Szenario: etwa 1 TB Daten, fünf Jahre, Preise wie am 25. Okt. 2026 gelistet und als gleichbleibend angenommen (das müssen sie nicht sein). Hetzner nennt Nettopreise, deshalb rechnen wir den deutschen Regelsteuersatz von 19 % dazu [19]. Prüfe Mehrwertsteuer und Tagespreis bitte beim Bestellen.
| Weg | Fünf Jahre (eigene Rechnung) | Was drin ist | Was fehlt |
|---|---|---|---|
| Verwaltetes Nextcloud: Hetzner Storage Share NX11, 1 TB, 4,29 € pro Monat netto [12] | 60 × 4,29 € = 257,40 € netto, rund 306,31 € mit Mehrwertsteuer | Betrieb, Updates, Backups mehrmals täglich [12] | Eine Kopie außerhalb von Hetzner, eigene Apps über das hinaus, was Hetzner unterstützt |
| Dasselbe plus eigene Kopie auf einer Storage Box BX11, 3,20 € pro Monat netto [13] | 306,31 € + 228,48 € = 534,79 € mit Mehrwertsteuer | Wie oben, dazu eine zweite Kopie unter deiner Kontrolle | Deine Zeit, die Kopie einzurichten |
| Nextcloud zu Hause, Hardware schon vorhanden, mit Kopie auf einer Storage Box | Nur Strom: bei 10 W sind es 162,06 €, bei 25 W 405,15 €, bei 0,37 € pro kWh (BDEW-Durchschnitt, bisheriges Jahr 2026) [24]. Dazu die Box mit 228,48 €. Summe 390,54 € bis 633,63 € | Volle Kontrolle, alle Apps, die Daten unter deinem Dach | Hardware, falls du sie kaufen musst (unbelegt, setze dein Angebot ein), deine Zeit, die Update-Pflicht |
| pCloud Premium Plus, 2 TB Lifetime-Tarif [17] | 499 $ einmalig, so von pCloud am 25. Okt. 2026 angezeigt. Euro-Preis und Steuer: unbelegt | Speicher und Apps eines Schweizer Anbieters | Nextcloud-Funktionen, Quellcode [20], clientseitige Verschlüsselung (separates Add-on [20], Preis unbelegt) |
Die Stromzeilen folgen der Formel aus unserem Guide zu Stromkosten: Watt × 8.760 Stunden ÷ 1.000 ergibt kWh pro Jahr. Bei 10 W sind das 87,6 kWh, bei 0,37 € pro kWh also 32,41 € im Jahr. Bei 25 W sind es 219 kWh oder 81,03 €. Die Wattzahlen sind Annahmen, keine Messwerte. Der kWh-Preis ist der Haushaltsdurchschnitt, den die BDEW-Analyse vom August 2026 für das bisherige Jahr 2026 ausweist, 37,0 ct/kWh [24][25]; setz deinen eigenen Tarif ein. Die Preisseite von pCloud zeigte drei Lifetime-Tarife zu 219 $, 499 $ und 1.499 $ [17]. Der lesbare Text bezeichnet den kleinsten mit 500 GB und den größten mit 10 TB. Macrostack führt den mittleren mit 2 TB [20], 2 TB ist also der kleinste Tarif, in den 1 TB passt. Die monatlichen und jährlichen Preise waren für uns nicht lesbar, deshalb vergleichen wir sie nicht. Auch die Storage-Box-Seite von Hetzner hat eine Zeile zur Einrichtungsgebühr, deren Wert wir nicht lesen konnten: Prüfe sie vor der Bestellung [13]. VPS-Preise und was sie auslassen. Hetzner listet Cost-Optimized-Cloud-Server ab 5,99 € pro Monat netto, zum Beispiel den CX23 mit 2 vCPUs, 4 GB RAM und 40 GB NVMe. Das Angebot weist darauf hin, dass die Zahl dieser Server begrenzt ist, und den CX23 zeigte die Seite beim Abruf als nicht verfügbar [14]. Contabos Cloud VPS 4 (4 vCPUs, 8 GB RAM, 100 GB SSD) zeigte 4,40 € netto pro Monat für die ersten 24 Monate. Die 5,50 € „inklusive Mehrwertsteuer“ auf derselben Seite entsprechen einem Satz von 25 %, nicht den deutschen 19 %; mit 19 % sind es etwa 5,24 € (unsere Rechnung). Das sind 105,60 € netto für die 24 Monate. Der Preis danach und der Preis für zusätzlichen Speicher waren nicht lesbar: unbelegt [16]. 100 GB sind keine 1 TB. Hetzners zusätzliche Block-Volumes bekommen von Hetzner weder Backups noch Snapshots, und Server-Backups schließen sie nicht ein [15]. Ein VPS verlegt deine Dateien außerdem auf die Platte eines anderen, die Vertrauensfrage aus Schritt 5 bleibt also bestehen. Was es an Zeit kostet. Beide Zahlen hier stammen von Parteien, die etwas verkaufen oder empfehlen, lies sie also mit Vorsicht. Macrostack, eine Vergleichsseite, plant etwa eine Stunde im Monat ein [20]. Der Hosting-Anbieter mein-webserver.de rechnet mit 2 bis 4 Stunden im Monat [21]. Beides ist keine Messung. Über 60 Monate sind das 60 bis 240 Stunden. Im ersten Monat wird es mehr. Dazu musst du die Kiste dimensionieren: Ein Test von getmind.io mit 300 Dateien in einem Ordner sah bei einem einzelnen Nutzer auf einem Kern etwa dieselbe Antwortzeit wie auf vier (276 ms gegen 266 ms), bei acht gleichzeitigen Nutzern aber 4.095 ms auf einem Kern und 565 ms auf vier [22]. Das ist der Einzeltest eines Anbieters, nimm ihn als Hinweis. Für einen Haushalt ist eine kleine Maschine plausibel. Mehrere Leute, die gleichzeitig synchronisieren, brauchen mehr.
So entscheidest du
Selbst hosten passt, wenn die meisten dieser Punkte stimmen: Du willst Kalender, Kontakte oder andere Apps an einem Ort, du hast Hardware oder willst lernen, du testest Restores, und die Daten sollen unter deinem Dach bleiben. Mieten passt, wenn die meisten dieser Punkte stimmen: Niemand will Bereitschaft haben, du brauchst nur Datei-Sync, und eine monatliche Rechnung ist leichter zu ertragen als ein monatliches Update. Nach unserer Einschätzung passt Hetzners Storage Share besser für reine Dateiablage ohne Admin-Arbeit, und eine Storage Box ist ein gutes Ziel für Backups. Selbst hosten muss kein Alles-oder-nichts sein. Du kannst die Dateien mieten und ein zweites Nextcloud selbst hosten, für alles, was du lernen willst.
Ein Homelab-Beispiel
So könnte ein Setup aussehen. Es ist ein Beispiel und kein Bericht über unsere Systeme. Zu Nextcloud in unserem Homelab machen wir keine Aussage (Stand 25. Okt. 2026). Genau diese Datei haben wir für diesen Artikel nicht betrieben.
Angenommen, du hast einen Linux-Host mit Docker, einen Reverse Proxy für Nextcloud davor (siehe „Passt dazu“) und eine zweite Platte unter /mnt/backup. Diese Compose-Datei ist aus der offiziellen im AIO-Repository abgeleitet [3]. Das Image-Tag latest ist das, das diese Datei verwendet. Vergleiche sie vor dem Start mit der aktuellen Datei. Die Proxy-Einstellungen sagen AIO, dass es nur auf Port 11000 der Loopback-Adresse lauscht.
name: nextcloud-aio
services:
nextcloud-aio-mastercontainer:
image: ghcr.io/nextcloud-releases/all-in-one:latest
init: true
restart: always
container_name: nextcloud-aio-mastercontainer
network_mode: bridge
volumes:
- nextcloud_aio_mastercontainer:/mnt/docker-aio-config
- /var/run/docker.sock:/var/run/docker.sock:ro
ports:
- "8080:8080"
environment:
APACHE_PORT: 11000
APACHE_IP_BINDING: 127.0.0.1
volumes:
nextcloud_aio_mastercontainer:
name: nextcloud_aio_mastercontainerStarte sie mit docker compose up -d und öffne die AIO-Oberfläche auf Port 8080 mit der IP-Adresse des Servers, nicht mit einem Domainnamen [2]. Trage deine Domain ein, starte die Container und warte, bis sie laufen. Lege dann den Backup-Ort an: sudo mkdir -p /mnt/backup. Trage /mnt/backup in der Oberfläche als Backup-Pfad ein und schreibe das Backup-Passwort auf, das sie dir zeigt. Ohne das Archiv und dieses Passwort ist eine Wiederherstellung auf einem neuen Server nicht möglich [2]. Schalte tägliche Backups ein. Danach prüfst du die Instanz auf der Kommandozeile mit sudo docker exec --user www-data -it nextcloud-aio-nextcloud php occ status [4].
Jetzt der Teil, den viele überspringen. Kopiere den Ordner borg aus /mnt/backup auf eine zweite Maschine, starte dort ein frisches AIO und stelle mit dem Passwort aus diesem Backup wieder her [2]. Öffne ein paar Dateien. Klappt es, hast du ein Backup. Klappt es nicht, merkst du das an einem Sonntagnachmittag und nicht an dem Tag, an dem die Platte stirbt. Für die Offsite-Kopie lässt AIO dich das Backup auf ein entferntes Borg-Repository statt auf einen lokalen Pfad richten [2].
Prüfliste
- Lege fest, wer für Nextcloud Bereitschaft hat und wie viele Stunden im Monat diese Person dafür aufbringen kann.
- Miss deine Datenmenge und die Zahl der Nutzer, und rechne dann den kleinsten passenden Tarif durch.
- Vergleiche Netto- und Bruttopreise und lies Tagespreis und Mehrwertsteuer beim Bestellen nach.
- Lege das Backup auf eine andere Platte oder Maschine als die Daten, und füge eine Kopie außerhalb des Hauses oder des Anbieters hinzu.
- Sichere das AIO-Backup-Passwort und deine Domain-Notizen an einem Ort außerhalb des Servers.
- Stelle ein Backup auf einer zweiten Maschine wieder her, bevor du echte Daten umziehst, und wiederhole das jedes Quartal.
- Aktualisiere jeden Monat, überspringe nie eine Hauptversion und sichere vor jedem Upgrade.
- Entscheide, wer deine Dateien lesen darf, und lies die Analyse einer clientseitigen Verschlüsselung, bevor du ihr Geheimnisse anvertraust.
- Halte dir den Ausgang offen: Lass einen Sync-Client eine lokale Kopie halten und exportiere deine Dateien nach Plan.
- Schließe jeden Port, den du nicht brauchst, und gib nur 443 frei oder erreiche Nextcloud über ein VPN wie Tailscale [2].