Ein Homeserver ist leise, klein und „kostet ja nichts im Betrieb“ – bis die Jahresabrechnung vom Stromanbieter kommt und widerspricht. Dieser Guide gibt dir das Rechenwerk, mit dem du die Frage anhand deiner eigenen Zahlen entscheidest.
Die Kurzantwort
Multipliziere die durchschnittliche Leistung in Watt mit 8.760 Stunden, teile durch 1.000, und du hast die Kilowattstunden eines Jahres. Mal Strompreis je Kilowattstunde ergibt das Euro. Beim deutschen Haushaltsdurchschnitt von 37,0 ct/kWh, den die BDEW-Analyse vom August 2026 für das bisherige Jahr 2026 ausweist, kostet ein Watt rund um die Uhr etwa 3,24 € im Jahr [1]. Ob ein Homeserver einen gemieteten VPS schlägt, hängt an vier Dingen: der durchschnittlichen Leistungsaufnahme (nicht der Spitze), deinem eigenen Tarif, der Frage, ob die Hardware schon da ist, und was die Maschine sonst noch leisten muss. Ein Pauschalurteil geben wir nicht ab. Die Beispiele unten sind Annahmen und als solche gekennzeichnet, und mit der Break-even-Formel setzt du deine Werte ein.
So funktioniert’s
- Die Formel. Energie in kWh = Leistung in W × Stunden ÷ 1.000, Kosten = Energie × Preis je kWh [5]. Ein Jahr hat 8.760 Stunden, ein dauerhaftes Watt sind also 8,76 kWh. Unser Guide zu Stromkosten erklärt die Grundlagen und die Grenzen dieser Rechnung. Hier nutzen wir sie für eine Entscheidung.
- Den Preis bewusst wählen. Die BDEW-Analyse vom August 2026 nennt als Haushaltsdurchschnitt für das bisherige Jahr 2026 37,0 ct/kWh. Die Zahl bezieht sich auf Neukundentarife und Grundversorgungstarife bei 3.500 kWh Jahresverbrauch, der Grundpreis ist anteilig enthalten [1][2]. Das Statistische Bundesamt meldet für das erste Halbjahr 2026 37,97 ct/kWh, als Durchschnitt über alle Verträge einschließlich Arbeits- und Grundpreisen [3]. Die Tabelle dort teilt nach Verbrauchsklassen auf: 41,65 ct/kWh bei 1.000 bis unter 2.500 kWh und 36,18 ct/kWh bei 2.500 bis unter 5.000 kWh [4]. Wer wenig verbraucht, zahlt je Kilowattstunde mehr, weil sich der Grundpreis auf weniger Einheiten verteilt. Für die Entscheidung ist deine eigene Rechnung besser als jeder Durchschnitt: Ein Server erhöht deinen Verbrauch, aber nicht den Grundpreis. Der Grenzpreis liegt daher näher an deinem Arbeitspreis in €/kWh. Das ist unsere Überlegung, keine Zahl aus den Quellen. Wir rechnen unten mit 37,0 ct/kWh, weil der Wert belegt und datiert ist.
- Leerlauf, Last und Durchschnitt. Typenschildwerte und Spitzen überzeichnen, was ein wenig ausgelasteter Server kostet. Es zählt der zeitgewichtete Durchschnitt: die Summe aus Leistung × Dauer je Phase, geteilt durch die Gesamtzeit. Veröffentlichte Messungen zeigen, wie weit die Werte streuen. ServeTheHome maß gebrauchte Business-Mini-PCs von 2020 und 2021 mit etwa 11 bis 13 W im Leerlauf und 51 bis 54 W unter maximaler Last, an 120 V [8][9]. Das Raspberry-Pi-Team gibt an, dass ein Raspberry Pi 5 bei einer „Power-Virus“-Last um 12 W erreicht, gegenüber 8 W beim Raspberry Pi 4 [10]. Das sind ältere oder andere Geräte als deines. Sie zeigen die Form des Problems, nicht dein Ergebnis. Nimm als Annahme an, eine Maschine läuft 20 Stunden am Tag mit 12 W im Leerlauf und 4 Stunden mit 40 W unter Last. Ihr Durchschnitt ist (12 × 20 + 40 × 4) ÷ 24 ≈ 16,7 W. Das sind 146 kWh im Jahr oder 54,02 € bei 37,0 ct/kWh.
- Messen statt raten. Stecke ein Zwischenstecker-Messgerät zwischen Steckdose und Gerät und lies nach mehreren Tagen den kWh-Zähler ab, nicht die Momentanwatt. Die Verbraucherzentrale beschreibt dieses Vorgehen [5]. Achte aufs Messgerät. Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass manche Modelle nur Leistungen über 2 W erkennen [6], und eine Untersuchung der TH Köln fand bei Energieloggern für den Haushalt über 20 € meist ein bis zwei Prozent Genauigkeit, während Leistungen unter 1,5 W damit gar nicht messbar waren [7]. Das komplette Verfahren samt Messgrenzen und Protokoll steht in unseren Mess-Guides, das wiederholen wir hier nicht.
- Die Extras an der Steckdose mitzählen. Alles, was wegen des Servers an bleibt, gehört in die Summe: Router und Switch, die er braucht, externe Platten und eine USV. Eine USV verliert Energie auf zwei Arten. Proportionale Verluste wachsen mit der Last. Feste Verluste bleiben gleich, egal was du anschließt, sodass sie bei geringer Last einen größeren Anteil ausmachen: Unterhalb von etwa halber Last sinkt der Wirkungsgrad, unter 30 Prozent deutlich [11]. Die Zertifizierungsdatenbank von ENERGY STAR führt ein zertifiziertes 1.800-W-Doppelwandler-Modell, das bei 0 Prozent Last 30,62 W aus der Steckdose zieht [12]. Das ist ein Beispiel aus der Rechenzentrumsklasse, keine typische Homelab-USV. Es zeigt, warum du dein eigenes Gerät messen solltest, an der Steckdose vor der USV. Unsere USV-Seite erklärt Dimensionierung und Herunterfahren.
- Die VPS-Seite der Rechnung. Nimm den Monatspreis × 12 und lies das Kleingedruckte: Einstiegsaktion gegenüber Verlängerungspreis, Mehrwertsteuer, Abrechnungszeitraum und Zusatzkosten. Auf der Seite von Contabo stand am 24. Okt. 2026 der Cloud VPS 4 (4 vCPU-Kerne, 8 GB RAM, 100 GB SSD) für die ersten 24 Monate mit 4,40 € pro Monat ohne Mehrwertsteuer [13]. Der Preis mit Mehrwertsteuer hängt dort vom gewählten Land ab, nimm also den, den dein Checkout zeigt. Die deutsche Seite von Hostinger nannte den Tarif KVM 2 (2 vCPU-Kerne, 8 GB RAM, 100 GB NVMe) in einer Black-Friday-Aktion mit 7,79 € pro Monat und einem Verlängerungspreis von 14,99 € pro Monat „für 2 Jahre“; zur Mehrwertsteuer sagt die Seite nichts [14]. Hetzner führt Cloud-Tarife ab 5,99 € pro Monat ohne Mehrwertsteuer und kennzeichnet einige Tarifreihen als derzeit nicht verfügbar, prüfe also die Bestellseite [15]. Ein VPS wird abgerechnet, solange er existiert, auch ausgeschaltet [16]. Damit fällt ein Kniff aus dem Vergleich: Einen gemieteten Server kannst du nicht „sparsam“ herunterfahren, deinen eigenen schon.
- Break-even. Die Break-even-Durchschnittsleistung ist die jährliche VPS-Rechnung ÷ (8,76 × Strompreis je kWh in €). Strom ist ein Bruttopreis inklusive Mehrwertsteuer, also vergleichst du ihn mit einem Brutto-VPS-Preis. Zur Orientierung nehmen wir 19 Prozent Mehrwertsteuer an. Das ist unsere Rechnung aus der BDEW-Aufschlüsselung, die 5,91 ct Mehrwertsteuer auf 31,09 ct netto ausweist [1]. Die Tarife unterscheiden sich stark in der Ausstattung, deshalb vergleichen wir nur den Preis. Angenommener Strompreis: 37,0 ct/kWh. Die Ergebnisse stehen in der Tabelle unter der Liste. So liest du sie: Ein Homeserver, der im Schnitt mehr als die genannte Leistung aufnimmt, kostet allein an Strom mehr als dieser Tarif, noch vor Hardware, USV, Internet und deiner Zeit. Liegt er darunter, ist der Strom billiger. Bei einer Maschine, die du schon besitzt, ist Strom die einzige laufende Ausgabe. Musst du sie erst kaufen, rechne Kaufpreis ÷ erwartete Nutzungsjahre dazu. Geld lässt außerdem einiges aus. Der VPS bringt eine Rechenzentrumsanbindung und eine öffentliche Adresse mit, und Contabo nennt 99,9 Prozent Verfügbarkeit [13]. Zu Hause gibt es Stromausfälle und eine Upload-Leitung, die du mit dem Haushalt teilst. Der Homeserver bringt dafür lokalen Speicher, GPU oder Bastelfreiheit und ein LAN mit niedriger Latenz.
Break-even je VPS-Tarif bei angenommenen 37,0 ct/kWh:
| VPS-Tarif (Stand der Seite am 24. Okt. 2026) | Pro Monat | Pro Jahr | Break-even-Durchschnittsleistung |
|---|---|---|---|
| Contabo Cloud VPS 4, ohne MwSt., erste 24 Monate [13] | 4,40 € | 52,80 € | etwa 16 W |
| Contabo Cloud VPS 4, mit angenommenen 19 % MwSt. | 5,24 € | 62,83 € | etwa 19 W |
| Hostinger KVM 2, Aktionspreis, MwSt. nicht angegeben [14] | 7,79 € | 93,48 € | etwa 29 W |
| Hostinger KVM 2, Verlängerungspreis, MwSt. nicht angegeben [14] | 14,99 € | 179,88 € | etwa 55 W |
Ein durchgerechnetes Beispiel
Das ist ein Beispiel und kein Bericht über unsere Systeme, und wir veröffentlichen hier keine Verbrauchswerte unserer eigenen Geräte. Angenommen, du hast ein Zwischenstecker-Messgerät an einem Montag gestartet und eine Woche später abgelesen. Der Zähler ging von 12,40 auf 15,20 kWh. Alle Zahlen sind für das Beispiel erfunden.
awk 'BEGIN {
kwh_woche = 15.20 - 12.40; # 2,80 kWh gemessen
kwh_jahr = kwh_woche * 365 / 7; # etwa 146 kWh
preis = 0.370; # EUR je kWh, Annahme (BDEW, Aug. 2026)
w_mittel = kwh_woche * 1000 / (7 * 24);
printf "Durchschnitt %.1f W, %.0f kWh, %.2f EUR pro Jahr\n", w_mittel, kwh_jahr, kwh_jahr * preis
}'Die Ausgabe lautet „Durchschnitt 16.7 W, 146 kWh, 54.02 EUR pro Jahr“. Vergleiche das mit den Jahreskosten des Tarifs, den du im Blick hast. Mit 16,7 W liegt diese angenommene Maschine knapp über dem Break-even von 16 W beim Contabo-Tarif ohne Mehrwertsteuer und unter den 19 W mit angenommener Mehrwertsteuer. Sie liegt auch unter den 29 W der Hostinger-Aktion. Das Urteil kippt mit der Annahme zur Mehrwertsteuer, und das ist das ehrliche Ergebnis: Beide liegen nah beieinander, also entscheiden die Faktoren jenseits des Preises.
Prüfliste
- Suche deinen Arbeitspreis in €/kWh auf deiner letzten Rechnung und notiere das Datum des Tarifs.
- Miss die Maschine mindestens eine Woche mit einem Zwischenstecker-Messgerät und lies den kWh-Zähler ab.
- Berechne die Durchschnittsleistung aus dem Zählerstand, nicht aus Spitzenwert oder Typenschild.
- Rechne Router, Switch, Platten und USV mit ein, die wegen des Servers laufen.
- Prüfe vor dem Vergleich den Verlängerungspreis, die Mehrwertsteuer und den Abrechnungszeitraum des VPS.
- Berechne die Break-even-Leistung mit der Formel und halte sie gegen deinen gemessenen Durchschnitt.
- Addiere Anschaffungspreis ÷ Nutzungsjahre, wenn du die Maschine erst kaufen musst.
- Entscheide Verfügbarkeit, öffentliche Erreichbarkeit und Offsite-Backup getrennt vom Preis.
- Wiederhole die Rechnung, wenn sich dein Tarif oder der VPS-Preis ändert.