Zwei Platten mit gleicher Kapazität und gleicher Preisklasse können sich an dem Tag, an dem eine Platte stirbt, völlig verschieden verhalten. Der Unterschied liegt darin, wie die Spuren geschrieben werden.
Kurz gesagt
CMR (Conventional Magnetic Recording) schreibt Spuren nebeneinander. SMR (Shingled Magnetic Recording) lässt sie wie Dachschindeln überlappen und bringt so mehr Daten auf eine Scheibe [3][4]. Der Haken ist das langsame Umschreiben. Western Digital sagt, dass Drive-Managed-SMR Leerlaufzeit für seine Aufräumarbeit braucht und dass anhaltende zufällige Schreibzugriffe wie bei einem ZFS-Resilver diese Leerlaufzeit nehmen [1]. Unsere Einschätzung: Für ein NAS oder einen ZFS-Pool kaufst du CMR und liest vor dem Kauf das Datenblatt. SMR ist etwas für Archive, die du einmal schreibst und oft liest.
So funktioniert’s
- Überlappende Spuren. Der Schreibkopf schreibt eine breitere Spur, als der Lesekopf braucht. Bei SMR dürfen neue Spuren die vorigen überlappen, und pro Scheibe passt mehr drauf [3]. Seagate beschreibt SMR als Steigerung der Datendichte „through track overlay“ [4].
- Drei Varianten. SNIA nennt Drive-Managed, Host-Aware und Host-Managed-SMR [5]. Drive-Managed-SMR versteckt alles vor dem Rechner: Die Platte puffert zufällige Schreibzugriffe und sortiert sie später um. Host-Managed-SMR ist ein eigener Gerätetyp, den die Software zonenweise ansteuern muss [5]. Laut Seagate braucht das Kontrolle über Zonenverwaltung, Schreibreihenfolge und Dateisystemwahl [4].
- Wo es wehtut. Eine Drive-Managed-SMR-Platte arbeitet gut bei kurzen Lastspitzen mit Leerlauf dazwischen, so wie eine Büro- oder Heimfreigabe aussieht [1][5]. WD gibt an, eine solche Platte leiste beim Wiederaufbau eines RAID dasselbe wie eine CMR-Platte oder etwas weniger, wobei auch Zustand der Platte und Umfang des Wiederaufbaus eine Rolle spielen [1]. Für ZFS verweist WD auf seine CMR-Reihen, weil die anhaltenden zufälligen Schreibzugriffe eines Resilvers keine Leerlaufzeit lassen [1]. Ein Resilver schreibt die Daten neu, die einer getauschten Platte fehlen [7], und genau da fällt eine schwache Platte auf.
- Das Betriebssystem verrät es nicht. Linux meldet Drive-Managed-SMR-Platten als gewöhnliche Blockgeräte: Das Attribut
zonedsteht aufnone, genau wie bei CMR [6]. Verlässlich ist nur das Datenblatt oder Etikett des Herstellers [2]. - Hersteller und Geschichte. Im April 2020 erklärte Western Digital, seine WD-Red-Modelle von 2 bis 6 TB nutzten Device-Managed-SMR, die Modelle von 8 bis 14 TB seien CMR [3]. Modelle ändern sich; nimm das als Geschichte und prüfe das aktuelle Datenblatt der genauen Modellnummer.
- Wo SMR sinnvoll ist. Seagate nennt große Medienarchive, Backup-Stufen, Compliance-Archive und Objektspeicher als typische SMR-Lasten, also Daten, die einmal geschrieben und nur gelegentlich gelesen werden [4].
Ein Homelab-Beispiel
Welche Plattentypen in Bytearium-Systemen stecken, haben wir nicht erfasst (Inventar Stand 14. bis 16. Okt. 2026), deshalb ist diese Prüfung allgemein gehalten. Liste die Modellnummern deiner Platten auf und schlage jede im Datenblatt des Herstellers nach:
lsblk -d -o NAME,MODEL,SIZE
cat /sys/block/sda/queue/zonedEin Ergebnis none unterscheidet CMR nicht von Drive-Managed-SMR [6]. Das tun Modellnummer und Datenblatt [2].
Prüfliste
- Lies bei jeder Platte Datenblatt oder Etikett auf das Aufzeichnungsverfahren [2].
- Wähle CMR-Platten für ZFS-Pools und RAID-Verbünde [1].
- Stecke keine Ersatzplatte unbekannten Typs in einen Pool, bevor du ihren Typ kennst.
- Behandle eine Drive-Managed-SMR-Platte als Archivplatte mit langen Leerlaufzeiten [1][4].
- Prüfe das aktuelle Modell, nicht die Erinnerung an eine ältere Produktgeneration [3].
- Führe ein Backup, das nicht von einem Wiederaufbau abhängt.