Ein Windows-Spiel unter Linux klingt nach Pizza im Toaster. Mit Proton klappt es meistens einfach, solange kein Anti-Cheat die Tür versperrt.
Kurz gesagt
Proton ist Valves Kompatibilitätswerkzeug für Steam Play, mit dem Spiele, die nur für Windows erschienen sind, unter Linux laufen; es baut auf Wine auf [1]. Valve beschreibt es als angepasstes Wine plus eine Sammlung leistungsfähiger Umsetzungen von Grafikschnittstellen und schreibt, dass die meisten Spiele ohne Zutun laufen [2]. Proton kommt mit dem Steam-Client, und laut Valve sollten die meisten diese Fassung nutzen [1]. Unsere Einschätzung: Proton ist der normale Weg, eine Windows-Bibliothek aus Steam unter Linux zu spielen; prüfe Anti-Cheat und Kopierschutz, bevor du dich für ein bestimmtes Spiel darauf verlässt.
So funktioniert’s
- Wine als Unterbau. Wine stellt Windows-Schnittstellen unter Linux bereit, sodass ein Windows-Programm ohne Windows läuft. Proton bringt ein eigenes Wine mit weiteren Bausteinen mit und wird in Steam pro Spiel ausgewählt [1].
- Aus DirectX wird Vulkan. DXVK setzt Direct3D 8, 9, 10 und 11 auf Vulkan um [4]. vkd3d-proton setzt Direct3D 12 auf Vulkan um und ist die Entwicklungsarbeit für Direct3D 12 in Proton [5]. Es braucht einen Treiber mit Vulkan 1.3 [5], der Grafiktreiber zählt also so viel wie die Grafikkarte.
- Mehrere Versionen nebeneinander. Steam liefert mehrere Proton-Versionen aus; ein Spiel nutzt Valves Vorgabe oder die Version, die du in den Einstellungen wählst [1]. Am 15. Okt. 2026 führte Valves Changelog Proton Experimental mit allen Änderungen aus Proton 11.0-2 und weiteren Korrekturen [3].
- Welche Spiele es nutzen. Unter Einstellungen, Steam Play deckt „Enable Steam Play for supported titles“ die von Valve geprüften Spiele ab, „Enable Steam Play for all other titles“ alle übrigen Spiele ohne Linux-Fassung [6]. Im Steam-for-Linux-Tracker von Valve hat das Valve-Konto kisak-valve die Reihenfolge erklärt: Die Wahl pro Spiel schlägt native Linux-Versionen und Valves Liste, und die schlagen die globale Einstellung [7].
- Die Grenzen. Proton unterstützt Easy Anti-Cheat und BattlEye, aber jeder Entwickler muss das für sein Spiel einschalten. Anti-Cheat im Kernel wird nicht unterstützt [2]. Außerdem nennt Valve Launcher mit .NET oder WPF, Media Foundation sowie Manipulationsschutz und Kopierschutz als bekannte Problemfelder [2].
- Finger weg im Mehrspieler. Installierst du DXVK selbst außerhalb von Steam, warnt das DXVK-Projekt, dass veränderte Direct3D-Bibliotheken in Mehrspieler-Spielen als Cheat gelten und zur Kontosperre führen können [4].
Ein Praxisbeispiel
Ein Windows-Spiel aus deiner Bibliothek startet unter Linux nicht. Du klickst in der Bibliothek mit rechts auf das Spiel, öffnest Eigenschaften, Kompatibilität, setzt den Haken bei „Force the use of a specific Steam Play compatibility tool“ und wählst eine andere Proton-Version, zum Beispiel Proton Experimental [6]. Hilft das nicht, entfernst du den Haken wieder und bist zurück bei der Vorgabe. Fortgeschrittene legen eigene Proton-Builds unter ~/.steam/root/compatibilitytools.d/ ab und starten Steam neu [1]. Bevor du testest, prüfst du, ob es eine native Linux-Fassung gibt; die Steam-Doku von Canonical hält fest, dass ein natives Spiel ohne Proton vermutlich am besten läuft [6]. Das ist ein allgemeiner Ablauf und kein Test auf unserer eigenen Hardware.
Prüfliste
- Prüfe zuerst, ob das Spiel nativ für Linux erschienen ist; dann brauchst du Proton nicht [6].
- Schalte „Enable Steam Play for all other titles“ nur ein, wenn du auch ungeprüfte Spiele willst [6].
- Probiere für ein einzelnes Spiel Proton Experimental oder eine ältere Version, bevor du aufgibst [1][3].
- Halte den Grafiktreiber aktuell; D3D12-Spiele über vkd3d-proton brauchen Vulkan 1.3 [5].
- Prüfe den Anti-Cheat-Stand eines Mehrspieler-Spiels, bevor du es kaufst [2].
- Melde ein kaputtes Spiel im GitHub-Tracker von Valve oder im Steamworks-Forum, wie Valve es wünscht [2].