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PoE-Switch wählen: Budget und Standards

Beim PoE-Switch zählt das Gesamtbudget, nicht die Portzahl: 802.3af, at und bt, Watt am Port und am Gerät, dazu eine Budgetrechnung als Beispiel.

Ein Switch mit acht PoE-Ports klingt nach acht Kameras – bis im Datenblatt ein Netzteil steht, das nicht alle versorgen kann. Die Portzahl ist die billige Zahl auf der Verpackung. Das PoE-Budget ist die, die du bezahlst.

Kurz gesagt

Wähle einen PoE-Switch zuerst nach dem PoE-Gesamtbudget in Watt und danach nach dem Standard, den jeder Port beherrscht. PoE (Power over Ethernet) schickt Strom über dasselbe Kabel wie die Daten: Der Switch ist die „PSE“ (Power Sourcing Equipment, die Stromquelle), die Kamera oder der Access Point ist der „PD“ (Powered Device, der Verbraucher). IEEE 802.3af (Typ 1) liefert bis zu 15,4 W pro Port, 802.3at (Typ 2) bis zu 30 W und 802.3bt (Typ 3 und 4) bis zu 60 W und 90 W [3]. Am Gerät kommt immer weniger an, als der Port abgibt, weil das Kabel einen Teil verbraucht [3][9]. Addiere also, was deine Geräte am Port reservieren können, schlag einen Puffer drauf und vergleiche die Summe mit dem Budget, das der Hersteller für den ganzen Switch nennt. Nicht mit „Ports × 30 W“.

So funktioniert’s

Der Standard beschreibt jede PoE-Verbindung mit zwei Begriffen: Typ (was der Switch kann) und Klasse (wie viel Leistung ein einzelnes Gerät anfordern darf). Die beiden Tabellen zeigen beides. Die Portwerte sind die PSE-Seite, die Gerätewerte die PD-Seite.

TypFestgelegt inPort (PSE), max.Gerät (PD), max.Versorgte PaarePD-Klassen
Typ 1802.3af15,4 W12,95 W20–3
Typ 2802.3at30 W25,5 W24
Typ 3802.3bt60 W (30 W, wenn der Switch nur 2 Paare kann)51 W4, bis Klasse 4 auch 21–6
Typ 4802.3bt90 W71,3 W47–8
KlassePort (PSE)Gerät (PD)Braucht alle 4 Paare
14 W3,84 Wnein
27 W6,49 Wnein
315,4 W12,95 Wnein
430 W25,5 Wnein
545 W40 Wja
660 W51 Wja
775 W62 Wja
890 W71,3 Wja
  1. Woher die Zahlen kommen. Der erste PoE-Standard, 802.3af, erschien 2003, 802.3at folgte 2009. 802.3at führte den Begriff des Typs ein, 802.3bt ergänzte die Typen 3 und 4 sowie die Klassen 5 bis 8 [3]. IEEE führt die Ergänzung 802.3bt-2018 auf der eigenen Seite als abgelöst, die aktuelle Ausgabe des Basisstandards ist IEEE 802.3-2022, zu deren Umfang die Stromversorgung über Twisted-Pair-Kabel gehört [1][2]. Den PD-Wert der Klasse 3 nennt der Standardtext mit 12,95 W. Manche Übersichten runden auf 13 W, darunter eine der Ethernet Alliance [3][9]. Der Standard spricht von Typen und Klassen. Bezeichnungen wie „PoE+“ und „PoE++“ sind Händlerkürzel, und gerade „PoE++“ wird locker verwendet. Unsere Einschätzung: Lies im Datenblatt den Typ oder die Watt pro Port, nicht das Etikett.
  2. Portwatt gegen Gerätewatt. Der Switch wird am Port bewertet. Das Gerät bekommt, was nach dem Kabel übrig bleibt. Unsere eigene Rechnung mit der Tabelle oben: Die Lücke beträgt bei Klasse 3 2,45 W (15,9 Prozent des Portwerts), bei Klasse 4 4,5 W (15 Prozent), bei Klasse 6 9 W (15 Prozent) und bei Klasse 8 18,7 W (20,8 Prozent). Juniper schreibt in der Dokumentation, die Leitungsverluste lägen typischerweise unter 16 Prozent der Höchstleistung [9]. Für das Switch-Budget heißt das: Rechne in Portwatt. Eine Kamera, die am Gerät 12,95 W braucht, belegt 15,4 W deines Budgets, wenn sie Klasse 3 meldet.
  3. Wie ein Gerät Strom anfordert. Der Switch prüft zuerst, ob wirklich ein PD angeschlossen ist, und schaltet erst dann Spannung auf. Danach klassifiziert er das Gerät: Das PD signalisiert eine Klasse, der Switch antwortet mit der Klasse, die er zuteilt. Über das Protokoll LLDP darf das PD seinen Bedarf feiner angeben [3]. Bei Switches der Typen 3 und 4 ist diese Hardware-Klassifizierung Pflicht. Klasse 0 ist ein Alias für Klasse 3 und im neueren Abschnitt des Standards überholt [3]. Zwei optionale bt-Funktionen berühren das Budget. „Autoclass“ lässt den Switch den tatsächlichen Kabelverlust messen und danach zuteilen, sodass er aus einem begrenzten Netzteil mehr Ports versorgen kann. „Power Demotion“ erlaubt dem Switch, einem Gerät eine niedrigere Klasse zu geben, wenn er den Bedarf nicht decken kann [3].
  4. Warum das Gesamtbudget nicht Ports × Watt ist. Das Netzteil im Switch legt das Budget fest. Wie der Switch es verteilt, hängt vom Zuteilungsmodus ab, und die Hersteller unterscheiden sich. Cisco beschreibt im Catalyst-Handbuch einen „auto“-Modus, der Leistung vergibt, solange das Budget reicht, und einen „static“-Modus, der eine feste Wattzahl auch dann reserviert, wenn nichts angeschlossen ist [7][8]. Cisco nennt außerdem als Startzuteilung für Geräte der Klassen 0, 3 und 4 die 15,4 W, bis das Gerät über CDP oder LLDP mehr anfordert [8]. Juniper nutzt standardmäßig den „class“-Modus, in dem die Geräteklasse die Zuteilung bestimmt. Im statischen Modus werden die Ports nach Portnummer bedient, und höhere Ports verlieren PoE, wenn das Budget aufgebraucht ist [9]. HPE Arubas AOS-CX teilt standardmäßig nach tatsächlichem Verbrauch zu und lässt sich auf Zuteilung nach Klasse umstellen, die das Budget dann um die volle Klassenleistung mindert [10]. Unsere Einschätzung: Sagt das Datenblatt nicht, wie der Switch zuteilt, plane mit den Klassenwerten. Das ist der vorsichtige Fall.
  5. 2 Paare, 4 Paare und was „bt“ auf der Packung heißt. Die Klassen 1 bis 4 dürfen über zwei oder vier Paare laufen. Ab Klasse 5 sind immer alle vier Paare nötig [3]. Ein Typ-3-Switch kann als reiner 2-Paar-Switch gebaut sein, dann endet er bei Klasse 4, also bei 30 W am Port [3]. Steht „802.3bt“ auf der Packung, heißt das deshalb noch nicht, dass jeder Port 60 W liefert oder dass alle Ports das gleichzeitig tun. Achte auf die Klasse pro Port und auf das Gesamtbudget. Der bt-Standard legt außerdem einen Kanal für Ethernet mit 2,5, 5 und 10 Gbit/s samt PoE fest [4]. Braucht ein WLAN-Access-Point mehr als Gigabit, ist ein Switch mit Multigig-Ports eine eigene Entscheidung neben dem PoE-Typ.
  6. Kabel. IEEE 802.3 verlangt Kabel der Kategorie 5 oder besser und höchstens 100 m Streckenlänge und begrenzt den Gleichstromwiderstand der Strecke [11]. Die Ethernet Alliance nennt 12,5 Ω als ungünstigsten Schleifenwiderstand je Paarsatz [3]. Die Versorgung über vier Paare halbiert außerdem den Kabelverlust bei Klassen, die auch mit zwei Paaren liefen [3]. Vorsicht bei Kabeln aus kupferummanteltem Aluminium (CCA). Ihr Widerstand liegt rund 55 Prozent über dem von massivem Kupfer gleichen Durchmessers, sie erwärmen sich stärker und liefern am Gerät weniger Spannung [12]. Fluke Networks weist zudem darauf hin, dass IEEE schon für den Typ-2-Betrieb mit allen Kabelpaaren unter Strom eine um 10 °C niedrigere maximale Umgebungstemperatur des Kabels verlangt und dass die stärkere Erwärmung von CCA darin nicht berücksichtigt ist [12]. Kauf massives Kupfer.
  7. Passives PoE ist kein PoE. Normales PoE prüft zuerst und speist danach ein. Beim „passiven PoE“ liegt dauerhaft Spannung am Port, und Spannung, Strom und Adernpaare können beliebig sein. Ein normales PD kann an einem passiven Port Schaden nehmen, und die Ethernet Alliance sagt das offen [6]. Teltonika etwa gibt für einen seiner Router an, der Passiv-PoE-Eingang entspreche nicht IEEE 802.3af und das Speisen aus einer IEEE-802.3af-Quelle beschädige das Gerät [13]. Prüfe den PoE-Modus jedes Ports, der mehrere anbietet, und stecke nie ein Standardgerät an einen Port im Passiv-Modus.
  8. Messen statt dem Datenblatt glauben. Datenblätter nennen Höchstwerte. Der echte Verbrauch ist niedriger und ändert sich mit dem Gerätezustand, zum Beispiel mit der Infrarotbeleuchtung einer Kamera bei Nacht. Ein gemessener Wert ist besser, braucht aber ein Verfahren. Unser Messprotokoll trennt Bereitschaft, stabilen Leerlauf, typische Last und kontrollierte Last und hält die Dauer jedes Zustands fest. Wende es am Kabel an: Lies den Verbrauch pro Port ab, wenn dein Switch ihn anzeigt, sonst miss mit einem Zwischenstecker, der PoE unterstützt, und notiere die Klasse neben dem Wert. Stand 25.10.2026 liegen uns bei Bytearium keine PoE-Messungen vor, deshalb nennt dieser Guide keine eigenen Messwerte. Die Ethernet Alliance betreibt ein Zertifizierungsprogramm für PoE-Produkte in zwei Generationen (Typ 1 und 2 sowie Typ 3 und 4) [5]. Ein Zertifikat belegt, dass ein Produkt einen Interoperabilitätstest bestanden hat. Über dein Budget sagt es nichts.

Eine Budgetrechnung (Beispiel, keine Messung)

Die Geräte unten sind für die Rechnung erfunden. Ersetze sie durch deine eigene Liste. Die Klassenwerte stammen aus der Tabelle oben.

3 Kameras,         Klasse 3:  3 × 15,4 W = 46,2 W
2 Access Points,   Klasse 4:  2 × 30,0 W = 60,0 W
1 Tischtelefon,    Klasse 2:  1 ×  7,0 W =  7,0 W
An den Ports reserviert:                   113,2 W

Planungspuffer von etwa 20 % (unsere Faustregel, keine Norm):
113,2 W ÷ 0,8 = 141,5 W  →  gesucht: PoE-Gesamtbudget von mindestens 142 W

Teilt der Switch nach tatsächlichem Verbrauch zu und ziehen die Geräte wirklich weniger, etwa 6 W je Kamera, 15 W je Access Point und 4 W fürs Telefon (angenommen, nicht gemessen), wären es 3 × 6 + 2 × 15 + 4 = 52 W. Darauf darfst du dich nicht verlassen, denn der Zuteilungsmodus entscheidet, was der Switch reserviert. Plane mit 113,2 W und lass dich positiv überraschen.

Ändere jetzt eine Annahme: Die beiden Access Points melden Klasse 6. Dann sind 3 × 15,4 + 2 × 60 + 7 = 173,2 W reserviert, und 173,2 ÷ 0,8 = 216,5 W sind das Zielbudget. Zwei Ports müssen dann Klasse 6 über alle vier Paare liefern, und zwar gleichzeitig mit den anderen vier. Ein Switch mit acht Ports reicht für sechs Geräte locker. Ein Switch mit 65 W Budget reicht nicht, auch wenn an allen acht Ports „PoE“ steht. Denk auch an die USV: Hängt der Switch daran, muss seine Eigenaufnahme plus die PoE-Ausgabe zu dem passen, was die USV liefern kann. Zu Leistungseinheiten und USV-Größe findest du Näheres unter „Passt dazu“.

Prüfliste

  • Liste jedes PoE-Gerät auf und notiere seine Klasse oder „unbekannt“, wenn das Datenblatt keine nennt.
  • Addiere die Klassenwatt am Port (PSE-Seite), nicht die Gerätewatt.
  • Schlag einen Planungspuffer von etwa 20 Prozent drauf und notiere, dass das deine eigene Regel ist.
  • Vergleiche die Summe mit dem PoE-Gesamtbudget des Switches und ignoriere „Ports × 30 W“.
  • Prüfe, ob jeder Port, der ein Gerät der Klassen 5 bis 8 speist, 4-Paar-fähig ist und ob der Switch alle solchen Ports gleichzeitig versorgen kann.
  • Lies nach, wie der Switch Leistung zuteilt (nach Klasse, nach LLDP oder nach Verbrauch) und welcher Modus der Standard ist.
  • Prüfe, ob das Kabel aus massivem Kupfer besteht, mindestens Kategorie 5 hat und nicht länger als 100 m ist.
  • Prüfe den PoE-Modus jedes Ports und halte passive 24-V-Geräte von Standardports fern.
  • Miss den echten Verbrauch pro Port in deinen eigenen Zuständen und protokolliere ihn mit Klasse und Datum.
  • Prüfe das Budget neu, sobald du ein Gerät hinzufügst oder die Switch-Firmware aktualisierst.

Primärquellen

Diese Quellen sind die Grundlage der Seite. Das heißt nicht, dass jede Aussage einzeln nachgeprüft wurde; ob ein Prüfbeleg vorliegt, steht oben unter „Stand“. Einordnung und Prüfliste sind unsere eigene Arbeit.

Für diese Fassung liegt noch kein dokumentierter Prüfbeleg vor. Der Text stützt sich auf die genannten Quellen.

Entstehung: Bytearium erstellt diese Seiten mit Unterstützung von KI und verantwortet die Veröffentlichung. KI kann sich irren, deshalb nennen wir Quellen und Prüfstand offen.

  1. IEEE Standards AssociationIEEE 802.3-2022, IEEE Standard for Ethernet
  2. IEEE Standards AssociationIEEE 802.3bt-2018, Amendment 2: Power over Ethernet over 4 pairs
  3. Ethernet AllianceOverview of 802.3bt – Power over Ethernet Standard
  4. Ethernet AllianceIntroducing IEEE P802.3bt Power over Ethernet Overview
  5. Ethernet AllianceCertification Mark Usage, Power over Ethernet guidelines
  6. Ethernet AllianceThe Hazards of Passive PoE
  7. CiscoConfiguring PoE, Consolidated Platform Configuration Guide, Catalyst 2960-X Switches
  8. CiscoGuidelines for PoE, PoE Configuration Guide, Catalyst 9000 Switches
  9. Juniper NetworksPower over Ethernet (PoE) User Guide for EX Series Switches
  10. HPE Aruba NetworkingPoE Planning and Implementation Guide for AOS-CX Switches
  11. U.S. Department of EnergyConnected Lighting Systems Efficiency Study: PoE Cable Energy Losses, Part 2
  12. Fluke NetworksCCA Wire: What Is Copper Clad Aluminum Cable?
  13. Teltonika NetworksTRB140 Powering Options

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