Ein NAS-System auszusuchen ist ein bisschen wie die Wahl des Starter-Pokémon: Du lebst jahrelang damit, und ein späterer Wechsel kostet ein Wochenende plus komplettes Backup. Deshalb lohnt der Vergleich, bevor die erste Platte formatiert ist.
Kurzantwort
Welches NAS-System passt zu dir: TrueNAS, Unraid oder Synology? Das entscheiden vier Kriterien, nicht die Marke. Willst du ein fertiges Gerät mit möglichst wenig Pflege und kommst mit den Laufwerksregeln des Herstellers klar, passt ein Synology-NAS mit DSM. Hast du Platten unterschiedlicher Größe und willst sie einzeln nachrüsten, passt Unraid, dafür zahlst du einmalig eine Lizenz. Baust du eigene Hardware, kaufst gleich große Platten und willst ZFS mit Prüfsummen und Snapshots ohne Lizenzkosten, passt TrueNAS Community Edition. Alle Angaben gelten mit Stand 25.10.2026 und stammen von iXsystems, Lime Technology (Unraid) und Synology. Wir nennen keine NAS-Modelle und keine Hardwarepreise. Und egal, wofür du dich entscheidest: RAID schützt vor einer defekten Platte, nicht vor Löschen, Ransomware oder Feuer. Ein Backup brauchst du trotzdem.
So funktioniert’s
- Drei verschiedene Produkte. Synology verkauft Hardware mit eigenem Betriebssystem, dem DiskStation Manager (DSM). TrueNAS Community Edition und Unraid sind Betriebssysteme, die du auf deinem eigenen x86-Rechner installierst [2][7]. Dieser eine Unterschied entscheidet viel: Bei Synology wählst du ein Modell, und der Hersteller bestimmt, welche Laufwerke, Updates und welchen Support du bekommst. Bei den anderen beiden suchst du jedes Teil selbst aus und trägst dafür auch die Verantwortung.
- Versionen mit Stand 25.10.2026. iXsystems empfiehlt für den Nutzertyp „General“ TrueNAS 25.10.7 (erschienen am 2. Sept. 2026). 27.0.0-RC.1 vom 6. Okt. 2026 ist eine frühe Version für Testende [1][2]. Die Version, die in der Beta TrueNAS 26 hieß, heißt jetzt TrueNAS 27, und iXsystems stellt auf einen jährlichen Rhythmus mit einfachen Versionsnummern um [3]. Lime Technology führt Unraid OS 7.3.4 vom 22. Okt. 2026 als aktuelle stabile Version und 7.4.0-rc.2 als Release Candidate für Testsysteme [9][10]. Synologys Versionshinweise zeigen DSM 7.4.1-90080 vom 23. Juli 2026, inzwischen mit Update 1, und für Geräte auf der 7.3-Linie DSM 7.3.2-86009 Update 5 vom 12. Okt. 2026 [16]. Für eine Liste älterer Modelle nennt Synology DSM 7.4 als letzte Version, auf die sie aktualisieren können [16]. Prüfe diese Liste, bevor du eine gebrauchte Synology kaufst.
- So funktioniert die Redundanz. TrueNAS speichert in ZFS. Ein Pool besteht aus vdevs (Plattengruppen), und jedes vdev hat seine eigene Redundanz. Fällt ein vdev aus, ist der ganze Pool verloren [15]. Das klassische Unraid-Array arbeitet anders: Bis zu zwei eigene Paritätsplatten schützen Datenplatten, von denen jede ihr eigenes Dateisystem behält. Jede Paritätsplatte muss mindestens so groß sein wie die größte Datenplatte [12][13]. Mit XFS, dem Standard, ist jede Datenplatte ein eigenständiges Dateisystem, das jedes Linux-System lesen kann [14]. Unsere Lesart: Fallen mehr Platten aus, als du Parität hast, verlierst du den Inhalt der ausgefallenen Platten, nicht den der übrigen. Synology nutzt Synology Hybrid RAID (SHR) auf Basis von Linux-RAID. SHR-1 übersteht den Ausfall einer Platte, SHR-2 von zweien [20].
- So wächst der Speicher. TrueNAS kann ein RAIDZ-vdev um jeweils eine Platte erweitern. Die Daten bleiben während der Erweiterung erreichbar, und die Ausfallsicherheit bleibt gleich: Ein RAIDZ2, das von vier auf sechs Platten wächst, übersteht weiterhin nur zwei Ausfälle. Alte Blöcke behalten ihr altes Verhältnis von Daten zu Parität, deshalb meldet das vdev weniger Kapazität als ein frisch angelegtes [6]. Weitere Wege sind ein neues vdev oder der Tausch aller Platten gegen größere [6]. In Unraid fügst du eine Platte beliebiger Größe hinzu, solange sie nicht größer als die Paritätsplatte ist. Unraid löscht die neue Platte vorher (schreibt Nullen), damit die Parität gültig bleibt [12]. SHR nimmt zusätzliche Platten an, die mindestens so groß sind wie die kleinste im Pool [21]. Beim Tausch bleibt zusätzliche Kapazität ungenutzt, bis eine zweite Platte gleicher Größe sie ergänzen kann [22].
- Welche Laufwerke erlaubt sind. TrueNAS veröffentlicht keine Liste freigegebener Laufwerke. Der Hardware-Leitfaden warnt vor laufwerksverwalteten und hostbewussten SMR-Platten und sagt, dass hostverwaltete SMR-Platten mit ZFS gar nicht funktionieren. Außerdem rät er von USB-Platten als Hauptspeicher ab [5]. Unraid erlaubt gemischte Größen; die Paritätsregel aus Schritt 3 ist die wichtigste Grenze [12]. Synology hat die Regeln für Modelle ab 2025 verschärft. Laut der Wissensdatenbank, abgerufen am 25.10.2026, akzeptieren DS-Plus- und Desktop-FS-Modelle mit DSM 7.3 oder neuer Festplatten und 2,5-Zoll-SATA-SSDs, die nicht auf der Kompatibilitätsliste stehen, für Neuinstallation und Speicherpools. Nicht gelistete M.2-NVMe-SSDs funktionieren nur, wenn du sie aus einer anderen Synology migrierst. Rack- (RS Plus), XS- und weitere Business-Serien nehmen nicht gelistete Festplatten nur bei Migration an [17]. Für die Value- und J-Serie ist die Spalte für nicht gelistete Laufwerke in dieser Tabelle leer, obwohl Synologys Pressemitteilung vom 8. Okt. 2025 sie zu den Serien zählte, die nicht validierte Laufwerke von Drittanbietern unterstützen [17][18]. Für Modelle, die vor 2025 erschienen sind, gelten die Regeln nicht rückwirkend [17]. Laut Synology berühren Laufwerke von Drittanbietern die Garantie nicht, der Support kann aber bei Problemen, die direkt durch diese Laufwerke entstehen, nicht helfen [19].
- Wie viel RAM. TrueNAS verlangt 8 GB für den Grundbetrieb mit bis zu acht Platten, dazu 1 GB für jede weitere Platte und mehr für Apps, virtuelle Maschinen und Dienste wie die Verzeichnisanbindung. Deduplizierung braucht etwa 5 GB pro TB Speicher [4]. Zu ECC-Speicher (RAM, der Bitfehler korrigiert) fasst iXsystems die Debatte so zusammen: Die meisten Nutzenden empfehlen ihn dringend, trotzdem laufen viele TrueNAS-Systeme täglich ohne, und jeder RAM sollte vor dem Einsatz getestet werden [4]. Unraid schreibt, dass ZFS-Pools mehr RAM brauchen als Btrfs-Pools, nennt aber keine Zahl [13]. Bei Synology bestimmt das Modell, wie viel RAM verbaut ist und wie weit du aufrüsten kannst.
- Was es kostet. TrueNAS Community Edition ist ein kostenloser Download [2]. Unraid verkauft unbefristete Lizenzen: Starter für 49 $ (bis zu 6 Speichergeräte), Unleashed für 109 $ (keine Gerätegrenze durch die Lizenz) und Lifetime für 249 $, Preise laut unraid.net, abgerufen am 25.10.2026 [7]. Starter und Unleashed enthalten ein Jahr Updates. Danach kostet eine freiwillige Verlängerung 36 $ pro Jahr. Ohne sie behältst du die Software und bekommst weiter Patches für deine Minor-Version, bis diese ihr Lebensende erreicht. Lime Technology unterstützt die beiden neuesten Minor-Versionen [8]. Bootest du von einer internen SSD oder NVMe, was Unraid seit 7.3 kann, zählen diese Boot-Laufwerke zur Gerätegrenze, im Spiegel beide [11]. Es gibt eine kostenlose Testphase von 30 Tagen [8]. Bei Synology steckt die Software im Hardwarepreis. Hardwarepreise haben wir nicht geprüft.
- Wie viel Pflege. Bei TrueNAS wählst du einen Update-Zweig. „General“ ist im Feld erprobte Software, frühe Versionen sind für Tests und Rückmeldungen gedacht [1]. Unraid stellt die Patches für eine Minor-Version ein, sobald zwei neuere Minor-Versionen öffentlich sind, Betas und Release Candidates mitgezählt; plane also deine Lizenzverlängerung oder deinen Upgrade-Rhythmus [8]. Synology verteilt DSM-Updates gestaffelt, und ältere Geräte bleiben auf einer festen Version stehen [16]. Bei allen drei Systemen gehören regelmäßige Plattenprüfungen (Scrub oder Paritätsprüfung) und ein Wiederherstellungstest dazu.
Die drei Systeme nach Kriterien (Stand 25.10.2026)
| Kriterium | TrueNAS Community Edition | Unraid | Synology DSM |
|---|---|---|---|
| Was du kaufst | Kostenloses System für eigene x86-Hardware | Kostenpflichtiges System für eigene x86-Hardware | NAS-Hardware mit DSM |
| Aktuelle Version | 25.10.7 (General), 27.0.0-RC.1 (früh) | 7.3.4 stabil, 7.4.0-rc.2 Test | DSM 7.4.1-90080 Update 1; 7.3.2 Update 5 |
| Redundanz | ZFS je vdev (Mirror, RAIDZ1-3) | 1-2 Paritätsplatten, Dateisystem je Platte | SHR-1/SHR-2 oder klassisches RAID |
| Gemischte Plattengrößen | Kleinste Platte bestimmt die vdev-Größe | Ja, Parität muss die größte sein | Ja, über SHR |
| Erweitern | RAIDZ um eine Platte, neues vdev, größere Platten | Einzelne Platten hinzufügen | Platten hinzufügen oder gegen größere tauschen |
| Laufwerksregeln | Keine Liste; SMR meiden | Keine Liste; Paritätsregel | Richtlinie nach Modelljahr und Serie |
| RAM-Vorgabe | 8 GB bis 8 Platten, plus 1 GB je weitere | ZFS-Pools brauchen mehr als Btrfs | Je nach Modell fest |
| Lizenz | Kostenlos | 49 $ / 109 $ / 249 $, Updates ab Jahr zwei 36 $/Jahr | Im Hardwarepreis enthalten |
Rechenbeispiel mit erfundenen Platten
Das ist eine Rechnung, kein Test. Du hast schon zwei 8-TB- und zwei 4-TB-Platten und willst einfache Redundanz (eine Platte darf ausfallen). Wir lassen Dateisystem-Verwaltungsdaten und den Unterschied zwischen TB und TiB weg.
- Unraid: Eine 8-TB-Platte wird Parität. Die Datenplatten ergeben 8 + 4 + 4 = 16 TB.
- SHR-1: SHR teilt die Platten in Abschnitte. Die ersten 4 TB aller vier Platten bilden eine RAID-5-Schicht mit 12 TB, die restlichen 4 TB der beiden 8-TB-Platten einen Spiegel mit 4 TB. Zusammen sind das 16 TB [20].
- TrueNAS, ein RAIDZ1-vdev: Die kleinste Platte bestimmt die Größe jedes Mitglieds, also 3 x 4 = 12 TB. Zwei Mirrors (8+8 und 4+4) ergeben ebenfalls 12 TB.
In diesem Fall nutzen Unraid und SHR die vorhandenen Platten besser. ZFS lohnt sich, wenn du ohnehin gleich große Platten kaufst oder dir Prüfsummen und Snapshots über den ganzen Pool wichtiger sind als die letzten 4 TB. Kommt später eine 12-TB-Platte dazu, müsste sie in Unraid erst Parität werden, weil die Parität mindestens so groß sein muss wie die größte Datenplatte [12]. In SHR bleibt der Teil der 12-TB-Platte, der über die nächstgrößere hinausgeht, ungenutzt, bis eine zweite Platte dieser Größe dazukommt [22]. In einem RAIDZ1-vdev mit 4-TB-Mitgliedern bringt sie nur 4 TB [6].
Prüfliste
- Schreib auf, wie viel Kapazität du in drei Jahren brauchst und wie viele Laufwerksschächte du hast.
- Entscheide, ob du ein fertiges Gerät (Synology) oder eigene Hardware (TrueNAS, Unraid) willst.
- Prüfe in den Versionshinweisen die aktuelle Version und das Update-Ende für dein Modell.
- Prüfe jedes Laufwerk gegen die Regeln des Herstellers: SMR-Typ bei ZFS, Kompatibilitätsliste und Serie bei Synology.
- Rechne nutzbare Kapazität und Ausfallsicherheit für genau deine Platten aus, bevor du den Pool anlegst.
- Plane den RAM nach den Herstellerzahlen und teste ihn, bevor du Daten speicherst.
- Lies die Lizenzbedingungen, wenn du Unraid wählst, und notiere, wann dein Update-Jahr endet.
- Richte Scrubs oder Paritätsprüfungen und eine SMART-Überwachung ein.
- Richte ein Backup außerhalb des NAS ein und teste eine Wiederherstellung, bevor du dem System vertraust.
Passt dazu: NAS einfach erklärt; 3-2-1-Backup und Restore-Test; ECC-Arbeitsspeicher; ZFS: Mirror oder RAID-Z?; RAID-Z; NAS-Festplatten auswählen; SMR oder CMR.