Windows 10 ist wie die Lieblingsjacke mit Loch in der Tasche. Sie passt noch, aber irgendwann fällt etwas heraus. Microsoft hat ein weiteres Jahr Flicken angenäht, und der Faden reicht bis zum 12. Oktober 2027.
Kurz gesagt
Was machst du 2027 mit einem Windows-10-PC? Microsoft hat den Support für Windows 10 am 14. Oktober 2025 beendet. Das Programm für erweiterte Sicherheitsupdates (ESU) für Privatkunden liefert kritische und wichtige Sicherheitsupdates bis zum 12. Oktober 2027, und anmelden kannst du dich jederzeit bis zu diesem Datum [1][2]. Nutze die Zeit, um mit Microsofts App „PC-Integritätsprüfung“ zu prüfen, ob der PC die Anforderungen von Windows 11 erfüllt: TPM 2.0, UEFI-Firmware mit Secure-Boot-Fähigkeit und ein unterstützter Prozessor [4][5][8]. Wenn ja, ist das Upgrade über Windows Update kostenlos [3]. Wenn nein, bleiben zwei saubere Wege: eine Linux-Distribution vom USB-Stick testen oder ein neues Gerät einplanen. Egal, wofür du dich entscheidest: vorher sichern. Alle Termine, Preise und Bedingungen in diesem Guide haben den Stand 25. Okt. 2026.
Was ESU abdeckt und was nicht
- ESU gilt für Windows 10, Version 22H2, in den Editionen Home, Pro, Pro Education und Workstations. Es liefert nur Sicherheitsupdates, die das Microsoft Security Response Center als kritisch oder wichtig einstuft. Neue Funktionen, andere Korrekturen oder technischen Support gibt es nicht [1].
- Du brauchst die neuesten Windows-Updates, das Vorbereitungspaket für die Lizenzierung KB5126256, ein Administratorkonto und ein Microsoft-Konto, das kein Kinderkonto ist. Die Lizenz hängt an dem Microsoft-Konto, mit dem du dich registrierst, und gilt für bis zu 10 Geräte. Hat sich ein Benutzer auf einem PC registriert, sind alle anderen Benutzer dieses PCs mit geschützt [1][2].
- ESU für Privatkunden ist nicht für geschäftliche Nutzung gedacht. Microsoft bietet es nicht an für Geräte im Kiosk-Modus, für Geräte, die in eine Active-Directory-Domäne oder in Microsoft Entra eingebunden sind, und für Geräte, die ein System zur Verwaltung mobiler Geräte (MDM) steuert. Geräte, die bei Microsoft Entra nur registriert sind, dürfen teilnehmen [1].
- Wer schon registriert ist, bleibt ohne weiteres Zutun bis zum 12. Oktober 2027 abgedeckt [1]. Ursprünglich sollte ESU im Oktober 2026 enden. Laut heise hat Microsoft seine Supportartikel Ende Juni 2026 ohne große Ankündigung auf das neue Datum umgestellt [26]. Die Stiftung Warentest berichtete am 2. Juli 2026 über die Verlängerung [25].
- Ein leicht übersehenes Detail: Microsoft tauscht Secure-Boot-Zertifikate von 2011 aus, die seit Juni 2026 ablaufen. Secure Boot ist die Firmware-Prüfung, die nur signierte Software den PC starten lässt. Für Windows 10 nennt Microsoft ESU als Weg, weiter Sicherheitsupdates zu erhalten, auch die für Secure Boot [11].
Was ESU kostet: Im EWR gelten eigene Regeln
Microsoft zeigt seine ESU-Seite je nach Standort in einer anderen Fassung und schreibt, dass Optionen und Zeitpunkte je nach Region abweichen können, etwa im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) [1].
| Im EWR (z. B. Deutschland, Österreich) | Außerhalb des EWR (US-Seite) | |
|---|---|---|
| Ohne Zusatzkosten | Bleib mit dem Microsoft-Konto, mit dem du dich registriert hast, bei Windows angemeldet. Meldest du dich damit nicht mehr an, enden die ESU-Updates nach bis zu 60 Tagen, und du musst dich erneut registrieren [2]. | PC-Einstellungen synchronisieren [1]. |
| Rewards-Punkte | auf der EWR-Seite nicht angeboten [2] | 1.000 Microsoft-Rewards-Punkte [1] |
| Einmalkauf | 30 US-Dollar oder der Gegenwert in Landeswährung zuzüglich anfallender Steuern; du kannst ein lokales Konto behalten und brauchst das Microsoft-Konto nur für den Kauf [2] | 30 US-Dollar oder der Gegenwert in Landeswährung zuzüglich anfallender Steuern [1] |
| Updates bis | 12. Okt. 2027 [2] | 12. Okt. 2027 [1] |
Einen Euro-Betrag nennt Microsoft auf seiner Seite nicht. Die Stiftung Warentest beziffert den Weg mit lokalem Konto auf „rund 30 Euro“ [25]. Erstattungen für den Kauf richten sich nach Microsofts Regeln für digitale Käufe in deinem Land [1]. Eine rechtliche Bewertung dieser Bedingungen nehmen wir nicht vor.
So meldest du dich an
- Öffne Einstellungen > Update und Sicherheit > Windows Update. Erfüllt das Gerät die Voraussetzungen, siehst du einen Link zur ESU-Registrierung [1][2].
- Wähle „Jetzt registrieren“. Bist du mit einem lokalen Konto angemeldet, fragt Windows nach einem Microsoft-Konto [1][2].
- Im EWR wählst du zwischen „angemeldet bleiben“ (ohne Zusatzkosten) und dem Einmalkauf. Außerhalb des EWR wählst du zwischen Einstellungen synchronisieren, Rewards-Punkten und Kauf [1][2].
- Prüfe den Status an derselben Stelle. Ein Kauf steht zusätzlich in deinem Bestellverlauf [1].
- Auf weiteren PCs wählst du „Jetzt registrieren“ oder „Gerät hinzufügen“, wenn du dort mit demselben Microsoft-Konto angemeldet bist [1].
Läuft Windows 11 auf diesem PC? Vier Prüfungen
Microsofts Minimum: ein kompatibler 64-Bit-Prozessor mit mindestens zwei Kernen und 1 GHz, 4 GB RAM, 64 GB Speicher, UEFI-Firmware mit Secure-Boot-Fähigkeit, TPM 2.0, eine Grafikkarte für DirectX 12 mit WDDM-2.0-Treiber und ein 720p-Bildschirm mit mehr als 9 Zoll [4][5]. TPM steht für Trusted Platform Module, einen Sicherheitschip oder eine Firmware-Funktion, die Schlüssel erzeugt und schützt. Für das direkte Upgrade braucht der PC Windows 10 ab Version 2004 mit dem Sicherheitsupdate vom 14. September 2021 oder neuer [4]. Windows 11 Home und Windows 11 Pro für die private Nutzung verlangen bei der Ersteinrichtung Internet und ein Microsoft-Konto [5].
- PC-Integritätsprüfung starten. Suche in der Taskleiste nach „PC-Integritätsprüfung“ oder installiere sie über Microsofts Adresse aka.ms/GetPCHealthCheckApp, dann wähle „Jetzt überprüfen“ [8]. Die App nennt, welche Anforderung fehlt. Grafikkarte und Bildschirm prüft sie laut Microsoft nicht [5]. Auch Windows Update kann das Upgrade-Angebot direkt anzeigen [14].
- TPM ablesen. Öffne Windows-Sicherheit > Gerätesicherheit oder drücke Windows + R und starte
tpm.msc. Unter „Spezifikationsversion“ muss 2.0 stehen [9]. Erscheint kein TPM, ist es vielleicht in der Firmware abgeschaltet. Microsoft nennt typische Namen für den Schalter: Security Device, TPM State, AMD fTPM switch, AMD PSP fTPM, Intel PTT oder Intel Platform Trust Technology. Die meisten Mainboards für selbst gebaute PCs werden laut Microsoft mit abgeschaltetem TPM ausgeliefert [9]. - Secure Boot ablesen. Drücke Windows + R, starte
msinfo32und suche den Eintrag zum sicheren Start (englisch Secure Boot State) [11]. Für das Upgrade muss der PC Secure Boot unterstützen, mit aktivem UEFI. Secure Boot einzuschalten empfiehlt Microsoft, verlangt es für das Upgrade aber nicht [10]. Läuft die Firmware im Legacy- oder CSM-Modus, muss der Startmodus auf UEFI wechseln, und für diesen Schritt verweist Microsoft auf die Unterlagen des PC-Herstellers [10]. - Prozessor prüfen. Microsoft veröffentlicht Prozessorlisten für PC-Hersteller. Die Intel-Liste nennt Core-Prozessoren der 8. bis 14. Generation und neuere Serien, die AMD-Liste enthält Ryzen-2000-Modelle wie den Ryzen 5 2600 [6][7]. Spätere Generationen, die dieselben Grundsätze erfüllen, gelten auch ohne Eintrag als unterstützt [6][7]. Meldet die PC-Integritätsprüfung den Prozessor als nicht unterstützt, hilft keine Firmware-Einstellung.
Bevor du TPM oder Firmware-Einstellungen anfasst: Ist das Laufwerk mit BitLocker verschlüsselt, leg den Wiederherstellungsschlüssel bereit. Microsoft zählt das Ausschalten, Deaktivieren oder Löschen des TPM, Firmware-Updates und Änderungen am Start-Manager zu den Ereignissen, die die BitLocker-Wiederherstellung auslösen [12].
Offizielle Wege und inoffizielle Umgehungen
Im Netz findest du Werkzeuge und Registry-Tricks, die Windows 11 auf Hardware ohne erfüllte Anforderungen installieren. Wir beschreiben keinen davon. Microsofts Haltung: Die Installation auf solcher Hardware wird nicht empfohlen, das Gerät erhält keinen Support von Microsoft und keine garantierten Updates, auch keine Sicherheitsupdates, und Schäden durch fehlende Kompatibilität deckt die Herstellergarantie nicht ab. Windows blendet außerdem ein Wasserzeichen auf dem Desktop ein [13]. Treten Probleme auf, empfiehlt Microsoft die Rückkehr zu Windows 10. Die Schaltfläche „Zurück“ unter Einstellungen > System > Wiederherstellung gibt es nur 10 Tage nach dem Upgrade [13]. Unsere Einschätzung: Wer Windows 10 gegen ein nicht unterstütztes Windows 11 tauscht, riskiert genau das, wovor er fliehen wollte, einen PC ohne verlässliche Sicherheitsupdates.
Linux: erst vom USB-Stick testen, dann entscheiden
Eine Live-Sitzung startet Linux vom USB-Stick, ohne das eingebaute Laufwerk zu verändern. Die Installationsanleitung von Linux Mint nennt die Grenzen: Die Live-Sitzung ist langsamer als ein installiertes System, Änderungen werden nicht gespeichert, und manche Programme verhalten sich anders oder gar nicht [20]. Damit ist sie eine Probefahrt für Hardware und Alltagsprogramme, kein Urteil über das Tempo. Ubuntu beschreibt dieselben drei Schritte zum Testen oder Installieren: ISO-Abbild herunterladen, mit einem Image-Schreibprogramm auf einen USB-Stick schreiben, den PC von diesem Stick starten [22].
| Linux Mint | Ubuntu Desktop | Fedora Workstation | |
|---|---|---|---|
| Aktuelle Version (25. Okt. 2026) | 22.3 [17] | 26.04 LTS, angeboten als 26.04.1 [22] | ungeprüft |
| Sicherheitsupdates | bis April 2029 [18] | fünf Jahre, bis April 2031 [21] | etwa 13 Monate je Version, etwa alle sechs Monate eine neue [23] |
| Genannte Anforderungen | 2 GB RAM (4 GB empfohlen), 20 GB Speicher (100 GB empfohlen), 1024 × 768 [19] | 2-GHz-Doppelkernprozessor, 6 GB RAM, 25 GB freier Speicher [21] | ungeprüft |
Unsere Einschätzung: Für einen PC, der an der Windows-11-Prüfung scheitert, ist Mint mit den niedrigeren Anforderungen und dem Support bis 2029 der naheliegende erste Test. Für flüssiges Arbeiten verlangt Ubuntu mehr Arbeitsspeicher als das Minimum von Windows 11. Fedora passt zu Leuten, die etwa einmal im Jahr gern auf die neue Version wechseln. Teste in der Live-Sitzung, was für dich zählt: WLAN, Ton, Drucker, Webcam und die Programme, die du täglich nutzt.
Spielst du online, prüfe deine Spiele vor dem Wechsel. Laut Valves Dokumentation unterstützt Proton, die Schicht, die Windows-Spiele in Steam unter Linux startet, Easy Anti-Cheat und BattlEye, aber der Entwickler jedes Spiels muss das freischalten. Anti-Cheat auf Kernel-Ebene wird derzeit nicht unterstützt [24]. Wie du deine eigene Bibliothek prüfst, zeigt unser Guide zu Gaming unter Linux.
Wenn du einen neuen PC kaufst: Kriterien statt Modelle
Wir nennen keine Modelle und haben kein Gerät getestet. Microsofts Anforderungen liefern die Kriterien: TPM 2.0 und UEFI mit Secure Boot im Datenblatt und ein Prozessor aus Microsofts Listen oder einer neueren Generation [4][6][7]. Nimm 4 GB RAM und 64 GB Speicher als das, was sie sind, die Untergrenze, nicht das Ziel [4]. Die Bezeichnung „Copilot+ PC“ zählt nur, wenn du genau diese Funktionen willst; sie verlangt einen Prozessor mit NPU über 40 TOPS, 16 GB RAM und eine SSD mit 256 GB [5]. Für den Umzug speichert Windows-Sicherung Dateien und Einstellungen von Windows 10 in deinem Microsoft-Konto. Wiederherstellen klappt unter Windows 11 ab Version 22H2, wenn du dich bei der Einrichtung mit demselben Microsoft-Konto anmeldest. 5 GB Speicher sind enthalten, mehr kostet ein Abo [16].
Vor jedem Wechsel sichern
- Kopiere deine Benutzerordner auf ein externes Laufwerk. Windows-Sicherung kann Desktop, Dokumente, Bilder, Videos und Musik zusätzlich mit OneDrive synchronisieren, ein kostenloses Microsoft-Konto enthält aber nur 5 GB [15]. Eine lokale Kopie plus eine zweite an anderem Ort folgt der 3-2-1-Regel.
- Sichere den BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel, bevor du Firmware oder Partitionen änderst [12].
- Notiere die Lizenzschlüssel gekaufter Programme und exportiere die im Browser gespeicherten Passwörter oder übertrage sie in einen Passwort-Manager [27].
- Macht Windows 11 nach dem Upgrade Probleme, hast du 10 Tage für den Weg zurück [13].
Praxisbeispiel mit zwei erfundenen PCs
Beide PCs und alle Ergebnisse sind erfunden. Sie zeigen den Weg, keinen Test.
- PC A: Desktop mit Ryzen 5 3600, Windows 10 22H2, Microsoft-Konto. Die PC-Integritätsprüfung meldet fehlendes TPM 2.0, Windows-Sicherheit zeigt keinen Sicherheitsprozessor. Der Ryzen 5 3600 steht auf Microsofts AMD-Liste [7]. Das Laufwerk ist mit BitLocker verschlüsselt, also sichert die Besitzerin zuerst den Wiederherstellungsschlüssel, schaltet im UEFI „AMD fTPM switch“ ein, prüft
tpm.msc(Spezifikationsversion 2.0), startet die PC-Integritätsprüfung erneut und nimmt das kostenlose Upgrade über Windows Update. - PC B: Laptop mit einem Intel-Core-i5-Laptopprozessor der 7. Generation (nicht auf Microsofts Intel-Liste [6]), 8 GB RAM, Windows 10 22H2, lokales Konto, Nutzung in Deutschland. Die PC-Integritätsprüfung meldet den Prozessor als nicht unterstützt. Der Besitzer registriert sich für ESU und wählt zwischen Anmeldung mit Microsoft-Konto (ohne Zusatzkosten, Anmeldung mindestens alle 60 Tage) und dem Einmalkauf, der das lokale Konto erhält [2]. Im ESU-Jahr startet er Linux Mint vom USB-Stick, testet WLAN, Ton und Drucker und entscheidet später, ob er Mint installiert oder den Laptop ersetzt.
Prüfliste
- Starte
winverund bestätige, dass der PC Windows 10, Version 22H2, nutzt [1][27]. - Prüfe unter Einstellungen > Update und Sicherheit > Windows Update, ob der PC für ESU registriert ist, und registriere ihn, falls nicht.
- Entscheide im EWR zwischen Anmeldung mit Microsoft-Konto und Einmalkauf und merke dir die 60-Tage-Regel.
- Starte die PC-Integritätsprüfung und notiere, welche Anforderung fehlt.
- Lies die TPM-Version in
tpm.mscund den Secure-Boot-Zustand inmsinfo32ab. - Sichere den BitLocker-Wiederherstellungsschlüssel, bevor du eine Firmware-Einstellung änderst.
- Vergleiche deinen Prozessor mit Microsofts Liste, statt zu raten.
- Lass inoffizielle Installationswerkzeuge liegen, wenn der Prozessor nicht unterstützt wird.
- Teste Linux vom USB-Stick, bevor du irgendetwas löschst.
- Prüfe deine Onlinespiele auf Anti-Cheat-Unterstützung, bevor du wechselst.
- Sichere deine Dateien auf ein externes Laufwerk und teste eine Wiederherstellung.
- Trag den 12. Oktober 2027 in deinen Kalender ein, dazu eine Erinnerung ein paar Monate vorher.
Passt dazu: Linux: Kernel und Distribution; 3-2-1-Backup und Wiederherstellungstest; Laptop aufrüsten: RAM und SSD vorher prüfen; SSD-Gesundheit: SMART unter Windows und Linux; Gaming unter Linux: Proton und Anti-Cheat; TPM 2.0; Secure Boot.